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ganiſch ausgebildete und abgeſchloſſene Realſchulen 1. Ordn. allezeit darauf Anſpruch machten, wenigſtens die größere Zahl ihrer Schüler in einer längeren Reihe von Jahren durch Erziehung für die Univerſität vorzubereiten. Eine iſolirt daſtehende zweijährige Realſchulprima mußte ferner in ihrer Orga⸗ niſation und Leiſtungsfähigkeit vielfach gehindert werden, wenn es zu jeder Zeit nothwendig war, den von verſchiedenen Anſtalten kommenden und neu aufgenommenen Schülern zunächſt wenigſtens im All⸗ gemeinen eine ziemliche Gleichförmigkeit der Ausbildung zu verleihen, und wenn dann dieſe verſchieden⸗ artigen Elemente an den Abgang von der Anſtalt ſchon in einem Zeitpunkte dachten, in welchem von ihnen kaum ein Anfang gemacht war zu gleichförmigem und gemeinſamem Fortſchreiten. Eine iſolirte Realſchulprima iſt ihrer Leiſtungsfähigkeit auch deswegen niemals ſicher, weil ſie auf den von ihr vorauszuſetzenden Unterricht nicht unmittelbar einwirken kann, deshalb auch die Einheit des Unterrichts nicht in der ſucceſſiven Entwicklung der Methode, ſondern in der Totalität einer zu lehrenden Wiſſen⸗ ſchaft erblicken wird', und gerade deshalb, wenn ſie ſelbſt zu lehren beginnt, beſonders leicht verleitet werden kann, Jünglinge Wiſſenſchaften zu lehren, welche erſt für wahrhaft wiſſenſchaftliches Arbeiten nach erziehlichen und didaktiſchen Grundſätzen methodiſch vorbereitet werden ſollen. Die vorbereitende Schulerziehung iſt erſt dann abgeſchloſſen, wenn der Zweck der Heranbildung zur Selbſtthä⸗ tigkeit erreicht iſt. Die ächte Pädagogik kann nun aber nicht zufrieden geſtellt ſein, wenn von einem Realſchulorganismus die oberſte Stufe abgeriſſen wird, auf welcher das Ideal ihrer allgemein menſch⸗ lichen Bildung vollſtändig verwirklicht, ihr höchſter Zweck erreicht werden könnte, wenn an die Stelle dieſer abſchließenden und unentbehrlichen Unterrichtsſtufe eine iſolirte Anſtalt von wenigen Jahrescurſen tritt, in welcher es nicht möglich iſt, eine pädagogiſche Organiſation des Unterrichts zu ſchaffen, in welcher deshalb einſeitiges und encyclopädiſtiſches Fachwiſſen die jugendliche Seele nicht zur vollen Entfaltung und Blüthe gelangen läßt, und in welcher die Wiſſenſchaft, indem ſie dem noch nicht wiſſenſchaftlich Denkenden mundgerecht gemacht werden muß, ſtreng genommen weder Erziehungs⸗ mittel noch Wiſſenſchaft iſt. Wir vermögen nun nicht die beſtimmenden Gründe und nächſten Veranlaſ⸗ ſungen zu bezeichnen, welche dahin führten, daß dem allgemeinen Curſus der höheren Gewerbſchule zu Darmſtadt ſeine ehemalige Berechtigung, für die Univerſität und mittelbar für gewiſſe Staatsexamina vorzubereiten, entzogen wurde. So viel aber ſteht feſt, daß die Wandlungen, welche die ehemalige Realſchulprima unſeres Landes, d. i. der allgemeine Curſus der früheren höheren Gewerbſchule Darmſtadts, erlebt hat, von tief eingreifender Bedeutung, man muß ſagen von großem Schaden für die heſſiſchen Realſchulen geweſen iſt. Das realiſtiſche Erziehungs⸗ und Unterrichtsweſen unſeres Landes hat, nachdem ihm die früheren Beziehungen zur Landesuniverſität verloren gegangen ſind, eine einſeitig tech⸗ niſche oder kaufmänniſche Richtung bekommen. Einer ſogenannten reinen Realſchule unſeres Landes, welche nicht, wie die unſrige, zugleich Progymnaſialeinrichtung hat und dadurch eine Beziehung zur Uni⸗ verſität bewahrt, iſt, wenn ſie an ihr nächſtes Ziel gekommen, der Weg abgeſperrt; und neben dem Verdienſte, den Intereſſen des praktiſchen Lebens zu genügen, bleibt ihr, ſofern ſie für andere Lehrin⸗ ſtitute vorbereitet, nur der Beruf, eine Dienerin einſeitig techniſcher Lehranſtalten zu ſein. Dieſer Auf⸗ gabe werden ſich zwar unſere Realſchulen ſtets gern unterziehen, aber von dieſer einen Aufgabe darf nicht der Charakter derſelben bedingt werden. Wenn auch techniſche Anſtalten die Vorbereitung der Real⸗ ſchulen nicht entbehren können und in denſelben ihre beſten Gehülfen erblicken werden, ſo kann dagegen die Realſchule ſich damit nicht genügen laſſen; ſie wird mehr leiſten wollen und können, als man in der angedeuteten Beziehung von ihr fordert.
Abgeſehen von anderen Erwägungen, die von uns im Intereſſe der verſchiedenartigen Bildungs⸗ bedürfniſſe unſeres Landes an anderer Stelle(Darmſtädter Zeitung 1867, Nr. 172(Beil.), 201, 202, 204, 205), angedeutet wurden, bieten ſich eine Reihe von Gründen dar, welche entſcheidend dafür


