160 Verhandlungen über den Sortbeſtand der Schule.
Srequenz faſt um das Doppelte erhöht(1884 hatte er ca. 38000 Mk. betragen; 1894 erforderte er 72 000 Mk., ſeither iſt er durch Erhöhung der Lehrergehälter wie infolge der Penſionierung mehrerer Lehrer und Lehrerinnen auf faſt 100 000 Nk. angewachſen). Die Gemeindeverwaltung beſorgte, daß ſie die erhöhte Laſt auf die Dauer nicht würde tragen können, zumal ihre Einnahmen damals noch auf der ſchwankenden Grundlage der freiwilligen Steuerauflagen beruhten und ein geſetzliches Recht, die iſraelitiſchen Einwohner der Stadt zu den Gemeindelaſten heranzuziehen, nicht beſtand. Da das Gerücht von der Auflöſung immer beſtimmter auftrat und die Schule durch dasſelbe, wie die geringe Sahl der Anmeldungen für das Schuljahr 1896/97 erwies, ſchwer geſchädigt wurde, erſuchte der Direktor den Schulrat, dem publikum durch eine unzweideutige Erklärung über den Sort⸗ beſtand der Schule Gewißheit zu geben.
Sugleich nahm Baerwald beranlaſſung, in einer ausführlichen Denkſchrift aus der hiſtoriſchen Geſtaltung der Schule ihren Wert und die Bedeutung, die ſie auch in der Gegenwart für die Gemeinde beſitze, zu beleuchten. Er wies u. a. darauf hin, wie das Philanthropin durch ſeinen Beſtand, ſeine Einrichtung und Wirk⸗ ſamkeit ein lebendiger Proteſt gegen Vorurteil und Unduldſamkeit, eine pflanz⸗ ſtätte der Sumanität und religiöſen Duldung ſei, wie die iſraelitiſche Gemeinde durch die Erhaltung und Sörderung einer ſolchen Anſtalt die beſte Antwort auf alle Anfeindungen gebe, denen in der Gegenwart das Judentum und ſeine Be⸗ kenner ausgeſetzt ſeien; er legte die verhängnisvolle Wirkung dar, die die Auf⸗ löſung der Schule für die Gemeinde zur Solge haben würde, wie die Gemeinde bei der Einſchränkung ihres Wirkungskreiſes verkümmern, wie die Betätigung des Intereſſes und des milden Sinnes ihrer Mitglieder ſich anderen Swecken zuwenden würde. Die Denkſchrift ſchloß mit dem Hinweis auf die Pflichten der Pietät, denen ſich eine große Gemeinſchaft ebenſowenig wie der einzelne ent⸗ ziehen dürfe, ohne ſelbſt an dem Beſten und Heiligſten Einbuße zu erleiden.
Der Schulrat ſchloß ſich den Ausführungen dieſer Denkſchrift an und über⸗ reichte ſie dem Gemeindevorſtand; in der Srage ſelbſt vertrat er dieſem gegenüber die Meinung, daß die Gemeindebehöorden nicht berechtigt ſeien, eine einſeitige Löſung des Vertragsverhältniſſes herbeizuführen, das Gemeindeverwaltung und Schulrat— als zwei ſelbſtändige und unabhängige Behörden— im Jahre 1843 über die Erhaltung der Schule eingegangen ſeien.
Nach langem und lebhaftem Schriftwechſel und weitläufigen Beratungen erklärten ſich die Gemeindebehörden bereit, die Erhaltung der Schule auch weiter⸗ hin zu übernehmen, wenn neben dem Gemeindevorſtand auch der Ausſchuß der iſraelitſchen Gemeinde eine entſprechende Vertretung im Schulrat erhielte und, von den 9 Rlitgliedern der Schulbehörde 5 als Delegierte der Gemeindebehörden Sitz und Stimme erhielten. Dieſer Bedingung willfahrte der Schulrat in ſeiner Sitzung vom 13. September 1896, und eine dementſprechende AÄnderung in der Suſammenſetzung des Schulrats trat Ende des Jahres in Kraft.


