Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Veränderungen in der Verwaltung und dem Lehrkörper der Anſtalt. 157

mit treuer Kingebung hat ſie dieſes Amtes bis zu ihrem Lebensende gewaltet. lach 32 jährigem Wirken ſchied 1886 der geiſtvolle Iſaak Schonhof von der Anſtalt; bei Beginn des folgenden Jahres trat die Kandarbeitslehrerin Srau Agathe Beer nach nahezu 40 jähriger verdienſtvoller Lehrtätigkeit in den Ruheſtand. Allzufrüh wurde um dieſelbe Heit der Schule und den Seinen Dr. Berthold Stern entriſſen; der ebenſo treffliche Lehrer wie edle Mann erlag, noch nicht 38 Jahre alt, nach kurzem Krankenlager einer Lungen⸗ entzündung.

1887 legte Adolf Teblée ſein Amt nieder. Länger als 40 Jahre hatte er eine umfaſſende, außergewohnlich fruchtbringende Tätigkeit zum Wohle der Anſtalt wie der Geſamtheit entfaltet und ſich durch ſein Wirken die Verehrung und Liebe der Schüler, die Sreundſchaft ſeiner Mitarbeiter und herzliche Sympathie in weiten Kreiſen in einem Maße erworben, wie ſie ſelten einem einzelnen zuteil wird. Teblée war zunächſt ein äußerſt geſchickter Cehrer, er beſaß die natürliche Gabe, in der Seele des Kindes zu leſen, deſſen Eigenart, beſondere Intereſſen und Neigungen zu erkennen und zu würdigen. In kindlich einfacher Sprache ver⸗ mittelte er den Kleinen den Lehrſtoff und verſtand es, ihn auch zum geiſtigen Eigentum der minder begabten Söglinge zu machen. Unterſtützt wurde er in ſeinem Unterricht durch treffliche Charaktereigenſchaften, vor allem durch ſein allezeit freundliches, humorvolles Weſen, das ihm raſch die Kerzen der Kinder gewann. In der erſten Seit ſeiner Tätigkeit war er der beliebteſte Tehrer in den unteren Abteilungen, ſpäter wurde ihm namentlich der Rechenunterricht an⸗ vertraut, und er hat dieſen für den künftigen Beruf der meiſten Söglinge ſo be⸗ deutungsvollen Unterrichtsgegenſtand am Philanthropin zu hoher Blüte gebracht. Den innigen Zuſammenhang, den von jeher unſere Schüler und Schülerinnen, auch wenn ſie längſt zu Männern und Srauen herangereift waren, mit der Schule bewahrten, verſtand Ceblée zum Beſten ſeiner zahlreichen menſchenfreundlichen Beſtrebungen nutzbar zu machen. Beſonderen Eifer zeigte er überall da, wo es galt, erwerbsunfähigen Lehrern, Lehrerwitwen und ⸗Waiſen Hilfé zu leiſten; ſo entwickelte er für die Wilhelm- und Auguſta⸗Stiftung, die dieſen Swecken dient, eine große Rührigkeit; ein unvergängliches Verdienſt erwarb er ſich als der eifrigſte Sörderer und langjährige Leiter des VereinsAchawa Gruder⸗ liebe), der in gleicher Richtung für die jüdiſche Lehrerſchaft wirkt, die bei den beſtehenden Verhältniſſen zum großen Teile der feſten Anſtellung und Relikten⸗ verſorgung entbehrt. Auch nach ſeiner Penſionierung blieb Teblée in enger Be⸗ ziehung zu der Anſtalt, der er mit ſeinem ganzen Herzen ergeben war; bis in ſeine letzten Tage lenkte er gar häufig ſeine Schritte zu ihr hin und war der Mittelpunkt der geſelligen Vereinigung innerhalb des Lehrerkollegiums. Die herzliche Verehrung und Liebe, der er ſich allerorten, beſonders bei ſeinen Mlit⸗ arbeitern und den Generationen von Schülern und Schülerinnen, die er heran⸗ gebildet hatte, erfreute, fanden gelegentlich ſeiner Penſionierung, der Seier ſeines 70. Geburtstags und ſeines am 6. Mai 1894 erfolgten Todes ergreifenden Ausdruck.