Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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156 Veränd rungen in der Verwaltung und dem Lehrhörper der Anſtalt.

Wenige Jahre nach Auerbach ſchieden von der Anſtalt zwei Männer, deren Erinnerung bis an die frühen Seiten der Schule reichte, und deren ganzes Leben ſich in dem Rahmen unſerer Anſtalt bewegt hat, Dr. Hermann Zirndorfer und Dr. Bernhard Cehmann. Beide waren Söhne von Lehrern der Schule, beide empfingen an ihr die Grundlagen ihrer Bildung, und beide traten ſogleich nach Abſchluß ihrer Univerſitätsſtudien in den Lehrkörper der Schule ein, dem ſie durch mehr als 40 Jahre(Sirndorfer war 42, Lehmann 41 Jahre am pPhilan⸗ thropin unterrichtlich tätig) angehörten. Hirndorfer wurde der Rachfolger des Lehrers Hochſtädter und erteilte an der Anſtalt nach und nach Unterricht in allen Lehrgegenſtänden und Klaſſen, bis er in den letzten 15 Jahren vornehmlich den mathematiſchen Unterricht in den oberen Klaſſen übernahm. Sein eigentliches Wiſſensgebiet waren die klaſſiſchen Sprachen; ſchon als Student in Marburg hatte er ſich mit einer trefflichen Arbeit über Euripides den Preis errungen. Am Philanthropin konnte er ſein Sachwiſſen nicht verwerten; der Mann der wiſſen⸗ ſchaft, den der große Philologe K. S. Hermann für die Univerſitätslaufbahn zu er⸗ wärmen ſuchte, übernahm ohne 5ögern lieber den deutſchen Leſeunterricht an der unterſten Klaſſe unſerer Schule, als daß er ſich ſelbſt untreu geworden wäre und den Eintritt in die akademiſche Laufbahn mit dem Wechſel der väterlichen Religion erkauft hätte.

Auch Bernhard Lehmann konnte bei ſeinem Eintritt in unſere Schule nicht in den Disziplinen, der franzöſiſchen und engliſchen Sprache, beſchäftigt werden, die er auf der Univerſität vornehmlich betrieben hatte; auch er erteilte jahrelang Deutſch und Rechnen in den unteren Klaſſen der Volks⸗ und Realſchule, ehe ihm wenigſtens der engliſche Unterricht übertragen wurde, den franzöſiſchen übernahm er erſt nach dem Abgang Tréfouſſes. Ebenſo langſam rückte er auch bei den damals beſtehenden Zuſtänden in ſeinen Anſtellungsverhältniſſen vor nach 10jähriger Hilfslehrerzeit wurde er außerordentlicher Lehrer und erſt nach weiterer 1Ojähriger Tätigkeit 1861 als ordentlicher Lehrer angeſtellt. Trotz dieſer widrigen Verhältniſſe widmete er der Schule ſeine ganze Kraft und bewahrte ihr bis zu ſeinem TCode, der 1884 kurze Zeit nach ſeiner Penſionierung erfolgte, innige An⸗ hänglichkeit.

Kurz vor Lehmanns Abgang endete auch die Lehrtätigkeit eines anderen Mitglieds des Kollegiums: Dr. Serd. Neubürger, ein mit reichen Geiſtes⸗ gaben ausgeſtatteter, anregender Lehrer, ſah ſich aus Geſundheitsrückſichten ge⸗ nötigt, um ſeine Penſionierung nachzuſuchen; nach längerer Kränklichkeit iſt er 1895 verſchieden.

Srühzeitig wurde 1883 der Schule Dr. LCudwig Roeder entriſſen, der namentlich an der Mädchenſchule gewirkt und durch ſeine feinſinnige edle Per⸗ ſönlichkeit die Schülerinnen in unnachahmlicher Weiſe erziehlich zu beeinfluſſen verſtanden hatte. Kurz nach ſeinem Tode erlitt die Mädchenſchule einen weiteren Verluſt, Srau Jeannette wolter ſtarb im Auguſt 1884. Srau Wolter war 1843 an unſere Schule berufen worden, damit ſie die Schülerinnenin allem, was die Sittlichkeit, den Anſtand und den guten Ton betrifft, beaufſichtige;