154 Gedenkfeiern für Geiſenheimer und Mendelsſohn.
Durlacher, die Gedenktafel, welche die iſraelitiſche Gemeinde in Dankbarkeit und Pietät dem unvergeßlichen Mann zu dieſem Tage gewidmet hatte*). In der Seſtrede entwickelte der Direktor die Ideen der Aufklärungsperiode und zeigte ihren Einfluß auf die Pädagogik, insbeſondere auf das Bildungs⸗ und Erziehungsweſen der Juden; er wies nach, wie alles, was Geiſenheimer Bleibendes geſchaffen, ſich auf der durch ſeine jüdiſche Beſonderheit beſtimmten Erfaſſung des Humanitäts⸗ gedankens gegründet habe. Eine Hymne, die Dr. Emil Neubürger für die Seier gedichtet hatte, und die dem Dank der Nachkommen gegen den Stifter des Philanthropins Ausdruck gab, beſchloß die wirkungsvolle Seier.
Ein Jahrzehnt ſpäter gab, wie bei dieſer Gelegenheit bemerkt werden mag, der hundertjährige Todestag Moſes Mendelsſohns dem Direktor Veranlaſſung, eine Erinnerungsfeier für den edlen Mann zu veranſtalten, der— wie ſo vielen ſeiner Heit⸗ und Geſinnungsgenoſſen— auch dem Begründer des Philanthropins ein leuchtendes Vorbild geweſen war. Das Erſcheinen und ſegensvolle Wirken mMendelsſohns für die Juden Deutſchlands wurde den Söglingen und der zahl⸗ reichen Seſtverſammlung durch den Prolog, den der Lehrer am Philanthropin Dr. Serdinand Neubürger für die Seier verfaßt hatte, wie namentlich durch die Gedenkrede Baerwalds**), zum Verſtändnis gebracht.
Veränderungen in der verwaltung und dem Lehrkörper der Schule.
Die Reihe der Männer, mit denen Baerwald die Einfügung der Schule in die neuen Verhältniſſe unternommen hatte, lichtete ſich in der zweiten Hälfte der ſiebziger und in den achtziger Jahren durch Tod und penſionierung außer⸗ gewöhnlich raſch. Die beiden Senioren des Lehrerkollegiums Samuel Tendlau und Abraham Tréfouſſe***) traten 1875 in den Ruheſtand; beiden war nur noch eine kurze Lebensdauer beſchieden, Tendlau ſtarb bereits 1876, Tréfouſſe im darauffolgenden Jahre.
1878 verſchied das langjährige eifrige Mitglied des Schulrats, der Verlags⸗ buchhändler Joſeph Rütten. Durch Jahrzehnte hatte er ſeine reichen Er⸗ fahrungen und ſeine Einſicht in den Dienſt der Schule geſtellt und für ihre Intereſſen kräftig gewirkt; der Dankbarkeit und Liebe, die er für die Stätte empfand, in der er einſt ſeine Erziehung genoſſen hatte, gab er noch in ſeinem Teſtament durch Begründung einer Stiftung Ausdruck, welche die Lehrer und
*) Die Tafel wurde ſpäter in die Wand des vorderen Treppenhauſes des Schulgebäudes eingefügt; ſie trägt folgende Inſchrift: Siegmund Geiſenheimer, geb. zu Bingen, 12. Dezember 1775, geſt. zu Srankfurt a. M., 20. April 1828, gründete im Jahre 1804 das Jüdiſche Philanthropin, aus dem dieſe Schulanſtalt hervorgegangen iſt.— Generationen unſerer Gemeinde ſegnen dankbar ſein Werk.— Zum ehrenden Gedächtnis wurde an ſeinem hundertjährigen Geburtstage dieſe Tafel errichtet von der Israelitiſchen Gemeinde zu Srankfurt a. Ml.
*) Pgl. programm der Schule 1886.
***½) Vgl. Seite 101 f.


