Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die Lehrerbibliothek. Gründung eines Schulfonds. 153

gewidmet, nach ihm übernahm Jakob Auerbach die Verwaltung, von dem ſie 1875 an den gegenwärtigen Bibliothekar, Prof. Dr. Epſtein, überging.

Gründung eines Schulfonds.

Das lebhafte Intereſſe, das ſich in den Kreiſen der Gemeinde um dieſe Zeit für die Anſtalt kundgab, veranlaßte den Direktor, die Begründung eines Schul⸗ fonds in die Wege zu leiten, der nicht bloß die Exiſtenz der Schule unter allen Umſtänden ſichern, ſondern ihr auch die Mittel gewahren ſollte, ihre Aufgaben in möglichſter Vollkommenheit, unbeirrt von finanziellen Erwägungen, zu erfullen.

Der Jahresbericht der Schule von 1872 brachte eine Aufforderung zu Bei⸗ trägen für dieſen Sonds; mehrere Schüler zeichneten daraufhin den Betrag von 14 000 Gulden, freilich unter der Vorausſetzung, daß die Gemeindeverwaltung ſich an die Spitze der Agitation für den Schulfonds ſtelle. Leider traf dieſe Er⸗ wartung nicht ein, und die Beträge wurden demzufolge nicht eingezogen. Einen Anlaß, die Anregung des Direktors weiter zu verfolgen, bot die Seier des hundertjährigen Geburtstages des Begründers der Schule, die am 12. Dezember 1875 feſtlich begangen wurde. Bei den Vorbereitungen für die Seier beſchloß die hierfür eingeſetzte Kommiſſion im Hinblich auf die früher gemachten Er⸗ fahrungen, zunächſt von den Gemeindebehörden die Bewilligung einer größeren Summe als Grundlage zu erbitten und dem zu begründenden Sonds den Namen des Stifters des Philanthropins zu geben; nach Bildung des Grundkapitals ſollte an alle früheren Schuͤler ein Aufruf zu Beiträgen erlaſſen werden. Be⸗ dauerlicherweiſe lehnten die Gemeindebehorden wegen der wirtſchaftlichen Depreſſion, die gerade damals beſtand und die auch die Einnahmen der Gemeinde beein⸗ flußte, ihre Beteiligung an der geplanten Begründung des Sonds wiederum ab; auch ein Appell, den der Schulrat an die Gemeindeverwaltung richtete, und in dem er darauf hinwies, daß der Wohltätigkeitsſinn der Gemeinde niemals durch noch ſo widrige Verhältniſſe unterdrückt worden ſei, verhallte wirkungslos. So mußten alle Bemühungen, großere Beträge zu beſchaffen, ohne weſentlichen Erfolg bleiben; bis zum Jahre 1884 hatte der Sonds nur den verhältnismäßig winzigen Beſtand von 3500 Mark aufzuweiſen. Als ſich zu dieſer Seit die otwendigkeit herausſtellte, neue Schulbänke anzuſchaffen, beſchloß der Schulrat im Einverſtändnis mit dem Gemeindevorſtand, den Schulfonds zu dieſem Sweck zu verwenden. Ein weiterer Verſuch, den für die Sicherung und gedeihliche Entwickelung der Schule ſo wichtigen und notwendigen Sonds neu zu begründen, iſt ſeither nicht unternommen worden.

Gedenkfeiern für Geiſenheimer und Mendelsſohn.

Die Gedenkfeier für Siegmund Geiſenheimer verlief im übrigen würdig des unvergeßlichen Begründers der Schule. In Anweſenheit der einzigen Tochter Geiſenheimers wie der Nachkommen der Männer, die mit jenem 1804 zuſammen⸗ gekommen waren, um mehrere arme Kinderin denen in unſeren jetzigen Seiten nötigen Dingen zu unterrichten, enthüllte der Präſident des Schulrats, Abraham