152 Stiftungen. B. H. Goldſchmidt, C. M. Maas.
Dr. Ceopold Odrell und Siegmund Brühl ihren geſammten Nachlaß für gleiche Swecke beſtimmten, waren ſie des Glaubens, daß die Schranken, die bisher zwiſchen den Deutſchen der verſchiedenen Bekenntniſſe beſtanden hatten, für immer gefallen ſeien, daß im neubegründeten deutſchen Reich eine Wertung der Unter⸗ tanen nach ihrer Religion nicht mehr ſtatthaben könne. Die Stifter wandten daher in ihren nach dem Vorbild von B. H. Goldſchmidt und Louis Mayer Maas begründeten Stiftungen die Wohltaten würdigen jüdiſchen und chriſtlichen jungen Leuten zu und ſorgten auch in der Verwaltung der Stiftung für gleichmäßige Vertretung der verſchiedenen Bekenntniſſe; u. a. wurde in allen dieſen Stiftungen die Beſtimmung aufgenommen, daß die jedesmaligen Direktoren des ſtädtiſchen Gymnaſiums und des Philanthropins der Verwaltung angehören müſſen.
Alle dieſe Stiftungen haben von unſerer Schule ihren Ausgangspunkt ge⸗ nommen, ſie war die Guelle, von der ſich eine Sülle von Wohltaten auf weite Kreiſe der Vaterſtadt und des Vaterlandes ergoß; mit Stolz kann das Philanthropin darauf hinweiſen, wie fruchtbringend die in ihm verkündeten Lehren geworden, wie zahlreiche Handlungen edlen Menſchentums aus dieſer Stätte erwachſen ſind!
Auch für die Swecke der Schule ſelbſt wurden durch die Dankbarkeit ihrer Schüler und durch wackere Männer, die als Mitglieder des Schulrats in regen Beziehungen zu der Anſtalt ſtanden, eine Reihe von Stiftungen begründet, wie ſie in gleichem Umfang keine andere Schule in unſerem Vaterland aufzuweiſen hat*); der Geiſt der Huſammengehörigkeit, der die Schule zu allen Seiten mit ihren Söglingen verband, die Würdigung und Anerkennung, die ihre Leiſtungen innerhalb der Gemeinde fanden, tritt in dieſen Suwendungen auf das herrlichſte hervor.
Die Lehrerbibliothek.
Der herzlichen Geſinnung ehemaliger Schüler und Sreunde verdankt die Schule auch ihre reichhaltige und koſtbare Bibliothek. Den Grundſtock des Bücher⸗ ſchatzes bildet die Wimpfen⸗Goldſchmidtſche Sammlung, die 1857 durch letztwillige Verfügung Emanuel Seiſt Goldſchmidts der Schule zufiel; ſie beſtand aus ca. 8000 Bänden, die Goldſchmidt von ſeinem Geſchäftsteilhaber, dem langjährigen Schul⸗ ratsmitgliede, Antiquar Abraham Lazarus Wimpfen, überkommen hatte. 1869 überwies ihr die Gattin des verewigten Dr. Michael Reiß, Srau Dr. Sanny Reiß, eine Anzahl mathematiſcher Werke; ſie überſandte außerdem im darauffolgenden Jahr dem Direktor einen größeren Betrag zur Erweiterung der mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Abteilung. Weitere 1800, zumeiſt recht wertvolle Bände, namentlich der franzöſiſchen Literatur, wurden ihr 1871 nach dem Tode der Srau Johanna Rindskopf geb. Trier überwieſen.
Die Schule hatte das große Glück, jederzeit innerhalb ihres Kollegiums Männer zu finden, die dieſen koſtbaren Schatz mit liebevoller Hingabe verwalteten. Bis zu ſeinem 1860 erfolgten Tode hat ihr Joſt ſo manche koſtbare Stunde
*) Ein Verzeichnis dieſer Stiftungen findet ſich im Anhang.


