Der konfeſſionelle Charakter der Schule. 149
ihrer Kinder ungeeignet erklärten. Sie gaben ſich nicht die Mühe, den Stand⸗ punkt der Schule, der in den Schulſchriften wiederholt klar und deutlich kund⸗ gegeben war, kennen zu lernen, für ſie war ſchon der Name der Schule Grund genug, ihre Kinder anderen Anſtalten zuzuführen.
Gewiß iſt es wahr, um dieſen Punkt hier wenigſtens zu berühren, daß die Schule von einer Konfeſſionsgemeinde, der ifraelitiſchen Gemeinde, erhalten wird, daß ſie in erſter Reihe berufen iſt, den Bildungsintereſſen der Mitglieder dieſer Gemeinde zu dienen. Sie hat demzufolge auch bei der Erziehung der Jugend, die dieſer Glaubensgemeinſchaft angehort, neben und gleichwertig mit den übrigen Erziehungszielen die religiöſen Intereſſen in derſelben Weiſe allezeit gepflegt, wie ſie Staat und Stadt der chriſtlichen Religion in den von ihnen unter⸗ haltenen Anſtalten zuteil werden laſſen; der Unterricht in der bibliſchen und nachbibliſchen Geſchichte wie in der Religionslehre hat ſtets im philanthropin die gebührende Wertſchätzung gefunden, den Zöglingen iſt durch Unterweiſung im Kebräiſchen die Möglichkeit gegeben worden, die Schoönheit und Kraft der Sprache der Bibel zu erfaſſen und die hebräiſchen Hauptgebete des Gottesdienſtes zu verſtehen.
Dagegen hätte es geradezu dem Geiſt, der Geiſenheimer und ſeine Gefährten beſeelte, widerſprochen, wenn in ihr aller Unterricht von einem ſpezifiſch kon⸗ feſſionellen Standpunkt erteilt worden wäre. Schon der Name der Schule— ſo gaben ihre Gründer feierlichſt zu Protokoll— ſchließt jede einſeitige Beſchränkung ihrer Wirkſamkeit aus. Die Gefühle der Coleranz, von denen ihre Begründer erfüllt waren, ſollten in der Aufnahme auch andersgläubiger Schüler und Lehrer „öffentlich an den Tag gelegt werden.“ Von jeher ſind aus dieſem Geiſte heraus chriſtliche Kinder in der Schule unterrichtet worden; von Anbeginn an waren proteſtantiſche und katholiſche Lehrer und Lehrerinnen angeſtellt und im Bewußtſein der gemeinſamen Aufgabe des Lehrberufs mit den anderen Lehrkräften in gemein⸗ ſamer Arbeit treu verbunden. Sür die Srankfurter iſraelitiſche Gemeinde wie für das Judentum hat ſich die Schule dabei ihre beſondere Bedeutung fort⸗ dauernd erhalten. Dem pPhilanthropin verdankt die Gemeinde nicht zum geringſten Ceil ihre Blüte, das Anſehen, das ſie allerorten genießt; indem ſie, eine religiöſe Gemeinſchaft, freudig und bereitwilligſt jeden ohne Unterſchied des Glaubens an den von ihr ausgehenden Wohltaten teilnehmen läßt, kündet ſie ferner der welt den Geiſt, der in ihr immer lebendig geweſen iſt, deſſen Grundpfeiler wahre Humanität, edle Menſchenliebe ſind.
Durch die Verminderung der Srequenz im Laufe der Jahre hat übrigens die Anſtalt keinen inneren Schaden erlitten; im Gegenteil konnte ſich bei der geringeren Zahl die Erziehung individueller geſtalten, die perſönliche Einwirkung des Lehrers auf den einzelnen eine größere und nachhaltigere werden.
Um⸗ und Reubauten.
Die Überfüllung der Klaſſen Anfang der ſiebziger Jahre machte eine räumliche Erweiterung der Schule zur Hotwendigkeit. Zunächſt beſtand der


