Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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148 Urſachen des Rückganges in der Srequenz.

Beſtimmend für viele Eltern war auch der Umſtand, daß das Lehrziel des Philanthropins ſich unverrückt in dem Rahmen hielt, den ihm ſchon die Begründer gegeben hatten, und der in erſter Reihe auf die Vorbildung für den kaufmänniſchen Beruf gerichtet war. Die Muſterſchule, die von jeher die gleichen Ziele wie das Philanthropin verfolgt hatte, hatte zielbewußt Ende der fünfziger Jahre den achtjährigen Kurſus gleich den preußiſchen Realſchulen erſter Ordnung angenommen und erreichte durch dieſe ihre Organiſation 1873, nachdem ſie 5 Jahre in dem gleichen Rang wie das Philanthropin geweſen, die Anerkennung als Realſchule 1. Ordnung und damit in vielen Berechtigungszweigen die Gleich⸗ wertigkeit mit dem Gymnaſium. Manche andere hier beſtehende Anſtalten, wie die Klingerſchule und die höhere Gewerbeſchule der Polytechniſchen Geſellſchaft, wandelten ſich in neunſtufige höhere Schulen um hinter dieſen trat nun das Philanthropin mit ſeinem ſechsjährigen Kurſus dem publikum gegenüber zurück; denn die oberflächlich urteilende Menge pflegt Wert und Bedeutung einer Anſtalt nach dem höheren oder niederen Lehrziel, das ſie verfolgt, zu ſchätzen. Insbeſondere wandte ſich ein großer Teil der wohlhabenderen jüdiſchen Kreiſe von der Anſtalt ab, die ihnen und ihren Vorfahren Bildung und Erziehung gewährt, der ſie die Grundlage zu dem Wohlſtand, in dem ſie ſich befanden, verdankten; ſie wollten ihren Kindern eine umfaſſendere Ausbildung, als ſie im Philanthropin erworben werden konnte, geben und ihnen die Berechtigungen verſchaffen, die durch den Beſuch neunſtufiger Anſtalten erworben wurden. Den Weg, daß die Kinder zunächſt die gleiche Bildungsſtätte, wie ſie dereinſt, beſuchten und dann was ja ohne jede Schwierigkeit gerade bei dem gemeinſamen Unterbau ſich ermöglichen ließ in eine neunſtufige Anſtalt übertraten, ſchlugen nur verhältnismäßig wenige ein; die meiſten glaubten die Kinder von vornherein der Anſtalt anver⸗ trauen zu müſſen, die ihnen die geſamte Ausbildung ermöglichte. Die weniger Be⸗ mittelten wieder fanden in dem hohen Schulgeld, das am Philanthropin erhoben und bei den ſich von Jahr zu Jahr ſteigernden Ausgaben 1882 noch auf den Satz von 150 Mark für die mittleren und oberen Klaſſen jährlich erhöht wurde, ein Hindernis, ihre Kinder das Philanthropin beſuchen zu laſſen, und ſandten ſie in die ſtädtiſchen höheren Schulen, die wie die Klinger⸗Gberrealſchule, die Realſchulen und die Humboldtſchule den geringeren Satz von 100 Mark beanſpruchten.

Der konfeſſionelle Charahkter der Schule.

Manche Eltern hielt auch ein angeblich prinzipieller Grund davon ab, die Kinder unſerer Schule zu überweiſen. Namentlich die große Schar der von außer⸗ halb Zugezogenen, die von der Begründung und Entwickelung der Anſtalt keine Kenntnis hatten, ſahen in dem Philanthropin, das von der iſraelitiſchen Gemeinde unterhalten wurde, ohne weiteres eine konfeſſionelle Schule, die ſie mit den aus der Tagesliteratur gewonnenen Schlagworten als eine nicht mehr zeitgemäße An⸗ ſtalt, die den Schülern eine einſeitige Bildung gewähre und das ſo wünſchens⸗ werte Zuſammenwirken der verſchiedenen Konfeſſionen hindere, als zur Erziehung