Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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146 Lazarus Geiger. Der deutſch⸗franzöſiſche Krieg.

gehrten. Erſt im Jahre 1861 ließ er ſich, namentlich durch das Drängen ſeiner Eltern, bewegen, einem an ihn ergangenen Rufe des Schulrats zu folgen und die Stelle J. M. Joſts am Philanthropin einzunehmen. Obwohl die akademiſche Lauf⸗ bahn für ihn ein viel geeigneterer Wirkungskreis geweſen wäre, ſo fand er doch bei ſeiner innigen Suneigung für die lebendige, muntere Jugend bald in der ſchul⸗ gemäßen Unterweiſung rechte Befriedigung und übte durch ſeine vorbildliche Per⸗ ſönlichkeit wie durch die geiſtvöolle Art des Unterrichts einen nachhaltigen Ein⸗ druck auf die jugendlichen Gemüter aus. Am Philanthropin lehrte er hauptſächlich Hebräiſch, bibliſche Geſchichte, mathematiſche Geographie und Deutſch; namentlich den deutſchen Unterricht in den oberen Klaſſen erteilte er in geradezu muſter⸗ hafter Weiſe, und viele ſeiner Schüler haben ſich noch nach Jahrzehnten eine lebendige Erinnerung ſelbſt an kleine Einzelheiten ſeiner Unterweiſung erhalten. Künftigen Geſchlechtern iſt Leben und Schaffen des hervorragenden Lehrers und Gelehrten durch die programmabhandlung Baerwalds und die Schriften Eugéene Peſchiers und Emil Neubürgers bewahrt worden. Auf Veranlaſſung von Verehrern und früheren Schülern ſind ſeine nachgelaſſenen Abhandlungen zur Veröffentlichung gebracht und ſein Andenken durch eine Marmorbüſte verewigt worden, mit deren Ausführung der Bildhauer Sriedr. Schierholz betraut wurde, und die in der Vorhalle der Stadtbibliothek zur Aufſtellung gelangt iſt; eine von dem Bildhauer Herold angefertigte Büſte überwies der Schulrat 1872 der Stätte von Geigers Wirken.

Der deutſch⸗franzöſiſche Krieg.

Der Tod des geliebten Lehrers fiel mitten in die bewegte Seit, in der deutſche Tapferkeit unter glorreichen Sührern herrliche Siege errang. In treuer, patriotiſcher Geſinnung wetteiferten damals Schüler und Schülerinnen, nach Maß⸗ gabe ihrer Kräfte dem Vaterland zu dienen; die älteren Schüler ſtellten ſich frei⸗ willig dem Komitee zur Verpflegung der durchziehenden Truppen zur Verfügung, die Mädchen fertigten, wie die noch vorhandenen Liſten zeigen, eine ſchier un⸗ glaubliche Sahl von allerlei Lazarettbedürfniſſen an(die erſte Sendung weiſt allein 180 Packete Tücher, Binden, Strümpfe, Charpie, Überzüge uſw. auf); die am Eingang der Schule befeſtigten Sammelbüchſen, die zu Gunſten der Verwundeten und der Hinterbliebenen von im Selde Gefallenen beſtimmt waren, ergaben einen reichen Ertrag. In wirkungsvoller Weiſe fanden die großen geſchichtlichen Er⸗ eigniſſe, die ſich nicht allzufern von Srankfurt abſpielten, im Unterricht geeignete Verwertung und führten namentlich zur Stärkung des Nlationalbewußtſeins, zur Begeiſterung und innigen Anhänglichkeit an das neugeeinte Reich und ſeinen ſiegreichen Kaiſer.

Die Srequenz der Schule.

Der gewaltige Aufſchwung, den die alte Kaiſerſtadt in der Seit nach dem deutſch⸗franzöſiſchen Krieg erlebte, und der ſich äußerlich in einer ungewöhnlichen Sunahme der Bevölkerung kundgab, blieb auch auf das Philanthropin nicht