Die Creizenach⸗Stiftung. 145
aus der Schulkaſſe; 4 Witwen mußten indes eine Kürzung ihrer Penſion um 20% erfahren. Hur Behebung dieſes Mißſtandes hat das Lehrerkollegium neuerdings eine Penſions⸗Huſchußkaſſe begründet, deren Mlittel weiterhin zur vervollſtändigung der unzureichenden Sätze des ſtaatlichen Reliktengeſetzes bis zu einem den gegenwärtigen verhältniſſen entſprechenden Betrag dienen ſollen.
Lazarus Geiger.
Die freudige Stimmung, die die glückliche Löſung der Reliktenangelegenheit in dem Kreiſe der Lehrer der Anſtalt wachrief, wandelte ſich leider bald in ſchmerzvolle Trauer: Nach kurzem Leiden ſtarb am 29. Auguſt 1870 Lazarus Geiger, eine Hierde des Kollegiums, ebenſo hervorragend als Gelehrter wie als Lehrer..
Die Bedeutung Geigers für das von ihm beſonders gepflegte Gebiet der Sprachwiſſenſchaft zu ſchildern iſt an dieſer Stelle füglich nicht angebracht; er⸗ wähnt ſei nur, daß er zuerſt die naturwiſſenſchaftliche Sorſchungsmethode auf die Sprachwiſſenſchaft angewandt und derſelben eine neue Bahn geſchaffen hat, indem er die Sprache zur Aufſtellung einer Urgeſchichte des Geiſtes verwandte, unſere Vorſtellungen in ihre primitive Urgeſtalt verfolgte und damit ein helles Licht auf Heiten warf, die für immer in ein nebelhaftes Dunkel gehüllt zu ſein ſchienen.
liicht leicht iſt es Geiger geworden, die Ergebniſſe ſeiner Sorſchungen weiteren Kreiſen zugänglich zu machen. Bereits im Jahre 1852 hatte er ſein Haupt⸗ und Lebenswerk„Urſprung und Entwickelung der menſchlichen Sprache und Vernunft“ begonnen, 1859 das erſte Buch vollendet und der Cottaſchen Verlagsbuchhandlung Proben geſandt, die ihm damals ohne alle Prüfung zurückgeſchickt wurden. Erſt nachdem er durch mehrere in Gelehrtenverſammlungen gehaltene Vorträge in der wiſſenſchaftlichen Welt rühmlich bekannt geworden war, gelang es ihm, die er⸗ wähnte Verlagsbuchhandlung für ſeine Geiſteserzeugniſſe zu intereſſieren; es war ihm indes nur vergonnt, den erſten Teil ſeines auf 3 Teile berechneten Haupt⸗ werkes zu veröffentlichen, der zweite konnte nur lückenhaft und unvollſtändig nach ſeinem Tode herausgegeben werden. Glücklicherweiſe hatte Geiger ſein Syſtem und die Hauptreſultate ſeiner Sorſchungen in der inhaltsſchweren Ein⸗ leitung zu ſeinem erwähnten Hauptwerke niedergelegt, auch in einem 1869 unter dem Titel„Urſprung der Sprache“ erſchienenen ſtattlichen Bande die wichtigſten Ergebniſſe ſeiner Unterſuchungen mitgeteilt. Sür weitere Kreiſe gedachte er ſeine Sorſchungsreſultate in Sorm von Vorträgen in einem Bande zuſammenzuſtellen; ſechs dieſer Vorträge waren bei ſeinem Tode bereits druckfertig, ſie ſind von Sreundeshand nach ſeinem Hinſcheiden veröffentlicht worden.
Wie das Lernen war Geiger auch das Lehren von früher Jugend ab ein Bedürfnis— er verſchmähte es aber lange Seit ein feſtes Lehramt zu über⸗ nehmen, da er fürchtete, ſeine Studien, die er als ſeine eigentliche Lebensaufgabe betrachtete, hierdurch allzuſehr zu vernachläſſigen. Sür ſeine beſcheidenen Lebens⸗ bedürfniſſe genügte der Ertrag aus einigen Privatſtunden; ſeine Söglinge wählte er ſich ſelbſt aus der großen Sahl derjenigen aus, die ſeiner Unterweiſung be⸗
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