Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Gehalts⸗ und Reliktenverhältniſſe. 143

Die Gehalts⸗ und Reliktenverhaltniſſe.

In der Erkenntnis, daß alle ſeine Bemüͤhungen zur inneren und äußeren Hebung der Anſtalt nur dann gelingen könnten, wenn das Lehrerkollegium ſeine ganze Kraft fuͤr das Wohl der Schule einzuſetzen in der Lage wäre, bemühte ſich Baerwald, die völlig unzulänglichen und ungeregelten Gehalts⸗ und Relikten⸗ verhältniſſe der Lehrkräfte zeitgemäß umzugeſtalten. Die langwierigen Ver⸗ handlungen hierüber führten 1871 zu einer vorläufigen Regulierung, 1874 zu einer Beſoldungsordnung, die wenigſtens den dringendſten Mißſtänden abhalf. Die ſo ſehr erwünſchte feſte Regelung wurde erſt 7 Jahre ſpäter durch Einführung des ſtädtiſchen Regulativs vom Jahre 1873 vorgenommen und 1892 einer Neuordnung unterzogen. Der vom Staat aufgeſtellte Normal⸗ etat vom 4. Mai 1892 für die Beſoldungen der Lehrer trat am Philan⸗ thropin erſt 1894, die Verbeſſerungen, welche die in den Jahren 1897— 1900 erlaſſenen ſogenannten„Hachträge“ brachten, erſt 1901 in Kraft. Seit dem 1. April 1903 iſt auch der letzte der Rachträge zur Geltung gelangt und damit die völlige Gleichſtellung der Cehrer mit den an nichtſtaatlichen Anſtalten wirkenden Kollegen durchgeführt. Die Mitglieder des Schulrats waren ſich jederzeit be⸗ wußt, daß die Lehrer einer ſorgenfreien Exiſtenz bedürfen, um ihren Beruf freudig und erfolgreich ausüben zu können; doch waren ſie in ihren Beſchlüſſen von der Zuſtimmung der Gemeindeverwaltung abhängig, die bei den unſicheren Einnahmen, über die die Gemeinde mangels eines Steuerrechts verfügte, jede Mehrforderung peinlichſt prüfte und ſelbſt die ausdrücklich vom Geſetz vorge⸗ ſchriebenen Leiſtungen möglichſt lange hinausſchob. Seitdem der Gemeinde⸗ verwaltung das Recht der Beſteuerung durch das Geſetz vom 21. März 1899 zuerkannt iſt, haben ihre Mitglieder alle Sorderungen, die an ſie im Intereſſe der Schule gerichtet wurden, in ausreichender Weiſe erfüllt.

Die Lehrer der Schule konnten bei der beſſeren Geſtaltung ihrer äußeren Lage auf die nebenamtliche Cätigkeit, zu der ſie früher gezwungen waren, mehr und mehr Verzicht leiſten; ſo kamen insbeſondere die Halbpenſionen, die noch beim Eintritt Baerwalds von den meiſten Lehrern gehalten wurden, allmãhlich in Wegfall. Die Schule hat dieſe Veränderung nicht zu bedauern. Die Arbeit der Lehrer zerſplittert ſich nicht mehr, wie es früher geſchah, zwiſchen Schule und hauslicher Nebenbeſchäftigung, die Cehrer ſind nicht mehr zu der übermäßigen Anſtrengung, die manchen vorzeitig zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat, genötigt und können den erhohten Anforderungen, die die Heuzeit mit den neuen unter⸗ richtlichen Methoden an ſie ſtellt, gerecht werden.

Die Creizenach⸗Stiftung.

In gleicher Weiſe wie der Beſoldungsfrage wandte der neue Leiter ſeine Sürſorge der Stiftung zu, die unter dem Nlamen des hochverdienten Dr. Michael Creizenach ſeit 1842 an der Schule beſteht, und deren Erträge die Witwen dahingeſchiedener Lehrer vor Notlage ſchützen und kranken Mitgliedern des