Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

142 Die Vorſchule. Die Mädchenſchule.

iſt, wenn auch die methodiſche Behandlung der einzelnen Sächer(z. B. des deutſchen Unterrichts, der ſich, um dem fremdſprachlichen Unterricht vorzuarbeiten, auf phonetiſcher Grundlage aufbaut) den Sorderungen der Seit gemäß ſeither mannigfache Veränderungen erfahren hat.

Die Mädchenſchule.

Die Mädchenſchule hatte ſich, wie ſchon hie und da erwähnt iſt, der gleichen Sürſorge Baerwalds zu erfreuen. Sie wies bei ſeinem Amtsantritt einen neun⸗ jährigen Kurſus auf, der in acht Klaſſen— die zweite Klaſſe hatte einen zweijährigen Lehrgang— erledigt wurde. Bereits 1871 wurden neun völlig getrennte Klaſſen eingerichtet und ſo die Organiſation zweckentſprechender ge⸗ ſtaltet; weiterhin wurden die Reformen, die in der Knabenſchule Geltung fanden, auch auf die Mädchenabteilung ausgedehnt und namentlich eine andere, ſach⸗ gemäßere Verteilung der Unterrichtsfächer auf die einzelnen Klaſſen vorgenommen. 1876 wurde eine Oberklaſſe für diejenigen Schülerinnen eingerichtet, die auf Wunſch der Eltern noch eine weitere Ausbildung, als wie ſie ihnen die Schule nach ihrem Lehrplan gewähren konnte, erhalten ſollten; in den erſten Jahren ihres Beſtehens nahmen die Schülerinnen der Selekta(wie dieſe Klaſſe genannt wurde) an dem Unterricht der erſten Klaſſe teil, erhielten nur beſondere Unter⸗ weiſung in deutſcher und fremdſprachlicher Literatur. Der nur in einzelnen Sächern geſonderte Unterricht war wohl die hauptſächliche Urſache, daß ſich nur ein kleiner Teil der aus der erſten Klaſſe abgehenden Schülerinnen zum Eintritt in die Oberklaſſe bereit finden ließ, und bereits nach 4 Jahren mußte die Ein⸗ richtung wieder fallen gelaſſen werden; als ſie 1886 unter dem Hamen einer Sortbildungsklaſſe wieder ins Leben trat, wurde ſofort ein völlig getrennter Unterricht für dieſe Abteilung ins Auge gefaßt und die Schülerinnen außer in den hauptſächlichen Sächern der Schule auch in ſolchen Gegenſtänden unterwieſen, die zur Durchbildung der weiblichen Perſönlichkeit erforderlich ſind. Eine Er⸗ weiterung nach der praktiſchen Seite hin fand dieſer Sortbildungskurſus ge⸗ legentlich der Einführung der neuen Lehrpläne vom 31. Mai 1894, der ſog. Maibeſtimmungen. Noch mehr wie früher wurde ſeither in der Sortbildungs⸗ klaſſe auf Erwerbung einer größeren Geläufigkeit im mündlichen und ſchriftlichen Gebrauch der franzöſiſchen und engliſchen Sprache Bedacht genommen, daneben auch Kurſe zur Erlernung der Buchhaltung, des kaufmänniſchen Rechnens und der Stenographie eingerichtet und das Seichnen in enge Verbindung mit dem Handarbeitsunterricht gebracht. In dieſer Weiſe iſt die Sortbildungsklaſſe bis zur Jetztzeit weitergeführt worden; im gegenwärtigen Schuljahr iſt außer dieſer Klaſſe für einige Schülerinnen, die den Wunſch einer weiteren Ausbildung empfanden, eine zweite Sortbildungsabteilung entſtanden, in der namentlich die deutſche Literatur des letzten Jahrhunderts, ausgewählte Kapitel der Kunſt⸗ geſchichte, ein vertiefter Heichen⸗ und Handarbeitsunterricht ſowie die italieniſche zu den bisherigen fremden Sprachen unterrichtet werden.