Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Der Handfertigheitsunterricht. Der Unterricht in der Stenographie. 141

ehrlichen Arbeit, wohlgegründetes Verſtandnis für Kunſthandwerk insbeſondere durch Verfeinerung des Sormgefühls, durch Anleitung zum Sormſchaffen.

Der Unterricht in der Stenographie.

licht minder bedeutſam als der Handfertigkeitsunterricht erwies ſich die Aufnahme des Stenographieunterrichts in den Lehrplan der Anſtalt. Bereits 1862 hatte der drei Jahre früher begründete Gabelsbergerſche Stenographenverein an den Schulrat die Bitte gerichtet, die Stenographie in den Lehrplan der Schule einzuführen, indes erſt 1876, 14 Jahre ſpäter, wurde in unſerer Schule, aber außerhalb des Lehrplans, ein privater, wahlfreier Unterricht in der Gabelsbergerſchen Stenographie eingerichtet, und 45 Schüler der beiden oberſten Klaſſen einmal wöchentlich in zwei Abteilungen des Mittwochs in der Stenographie unterwieſen. In dieſer Weiſe wurde der Unterricht mit zeitweiligen Unterbrechungen bis in die achtziger Jahre hinein erteilt. 1889 wurde er als wahlfreies Sach in den Lehrplan eingeführt, 1895 auch auf die Mädchenſchule ausgedehnt. Seit dieſer Zeit werden die Schüler und Schülerinnen der beiden oberſten Klaſſen in je einer Wochen⸗ ſtunde in der Gabelsbergerſchen Stenographie unterwieſen. Im erſten Halbjahr werden ſie mit der Schrift bekannt gemacht; zur Erzielung der Schreibfertigkeit folgen Diktate, die zu Ende des erſten Schuljahres das Nachſchreiben von 60 bis 80 Silben in der Minute ermöglichen. Das zweite Jahr wird der Weiterbildung im Nachſchreiben in der gewöhnlichen orreſpondenz⸗)Schrift, ſowie der Einführung in die Debattenſchrift— Wort⸗ und Satzkürzung— gewidmet. Erwähnt ſei noch, daß auf eine Anfrage des Provinzial⸗Schulkollegiums über den Einfluß des Stenographie⸗Unterrichts auf die Handſchrift der Schüler im Jahre 1895 das Lehrerkollegium ſeine Anſicht dahin ausſprach, daß durch dieſen Unterricht die Deutlichkeit der Handſchrift gefördert werde und die Stenographie ſogar als ein Sicherheitsventil gegen die Sluchtigkeit anzuſehen ſei.

Die vorſchule.

Die Vorſchule hatte kurz vor dem Eintritt Baerwalds, im Jahre 1868, die gegenwärtige dreiklaſſige Geſtaltung erhalten. Unter den Lehrfächern nahm einen breiten Raum der Anſchauungsunterricht ein, der nicht mit dem übrigen deutſchen Unterricht verbunden, ſondern einem anderen Lehrer übertragen war. leben dieſem Sache und den ſog. Elementargegenſtänden wurden die Kinder, wie bereits erwähnt, in der Vorſchule auch im Sranzöſiſchen, Zeichnen und der Geographie unterwieſen. Der Mliniſterialerlaß vom 18. Oktober 1882 führte eine völlige Umwälzung dieſes Lehrplans herbei. Die Beſtimmung, daß die wöchentliche Stundenzahl in den drei unteren Klaſſen nicht mehr als 18, 20 und 22 betragen ſolle— bis dahin hatte die erſte Vorſchulklaſſe 38 Stunden!— bewirkte, daß zunächſt alle anderen außer den Elementarfächern aus der vor⸗ ſchule ausſchieden; in gemeinſchaftlichen Beratungen mit Vertretern der Vorſchulen der anderen hieſigen höheren Lehranſtalten wurde ſodann im Januar 1884 ein einheitlicher Plan ausgearbeitet, der im allgemeinen noch gegenwärtig in Geltung