Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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124 Der Unterricht in der Religionslehre. Der hebräiſche Unterricht.

haben und auf die Hukunft fortzupflanzen berufen ſind. Aber noch einem weiteren Zweck dient dieſer Unterricht: er ſoll teilnahmsvolles Intereſſe an den Aufgaben, die die religiöſe Gemeinſchaft in der Gegenwart hat, in der Jugend erwecken, er ſoll deshalb den Schülern die verſchiedenen Einrichtungen und Veranſtaltungen, die dieſen Aufgaben dienen, die verſchiedenen Strömungen, die namentlich in geiſtiger Beziehung innerhalb der Gemeinſchaft herrſchen, vorführen. Alle dieſe Erwägungen haben zu einer Ausdehnung des Unterrichts in der nach⸗ bibliſchen Geſchichte auf die beiden letzten Schuljahre geführt; das letzte bringt daneben eine zuſammenfaſſende Darſtellung der Grundlehren und Grundgebote des Judentums, die bereits früher aus dem Unterricht gewonnen ſind, um die Schüler, wie durch die Kenntnis der Geſchichte, auch durch die richtige Erfaſſung dieſer Lehren religiöôs und damit ſittlich zu feſtigen.

Der hebräiſche Unterricht.

Der hebräiſche Unterricht diente in dem Rahmen, der ihm innerhalb der verſchiedenen Unterrichtsgegenſtände eingeräumt werden konnte, vor allem dem praktiſchen Sweck, den Schülern den weſentlichen Inhalt des Gebetbuchs und der heiligen Schrift zu vermitteln, ſo daß ſie mit Verſtändnis dem öffentlichen Gottes⸗ dienſt folgen konnten. Das tiefere Eingehen auf das Geleſene bot indes willl⸗ kommene Gelegenheit zu fruchtbaren Bemerkungen und zur Erweckung eines lebendigen Intereſſes an dem Bibelwort und bildete ſo namentlich in den oberen Klaſſen eine weſentliche Ergänzung des Religionsunterrichts. Auf der Unterſtufe, die das 2. bis 4. Schuljahr umfaßte und 4 Stunden wochentlich für den he⸗ bräiſchen Unterricht verwandte, wurden nach erlangter Leſefertigkeit die wichtigſten Gebete behandelt; auf der Nlittelſtufe, dem 5. und 6. Schuljahr, wechſelte bei wöchentlich dreiſtündigem Unterricht das Überſetzen von Gebeten mit dem von geeigneten Bibelſtücken; Pſalmen und bedeutſame Prophetenſtücke gaben der Ober⸗ ſtufe, auf der dieſem Unterrichtsfach 2 Stunden eingeräumt waren, zweckentſprechenden Stoff für die Belehrung. Die Beſtimmungen des amtlichen Lehrplans von 1882 brachten dem hebräiſchen Unterricht eine bedeutende Verkürzung der Stundenzahl namentlich auf der Unterſtufe; trotzdem konnte durch eine verbeſſerte Unterrichts⸗ methode das Lehrziel in gleicher Weiſe beibehalten werden. Der wahlfreie Charakter, der dieſem Sach bei den verſchiedenen religiöſen Richtungen, die in der Schule vertreten ſind, von jeher gegeben werden mußte, hat die Unterrichtserfolge keines⸗ wegs beeinträchtigt; ſchädigend wirkte dagegen die Gleichgültigkeit, die ihm die Eltern zum großen Ceil entgegenbrachten, und die bereits 1812 der erſte Leiter in ſcharfen Worten beklagt hat.

Der Unterricht im Deutſchen.

Die Entwickelung, die der deutſche Unterricht an unſerer Schule in den letzten Jahrzehnten genommen hat, läßt ſich füglich in drei Abſchnitte teilen, deren erſter bis zum Jahre 1881 reicht. In dieſer Seit erfährt dieſer Unterricht weſent⸗ lich eine formale Behandlung. Man ging von dem Gedanken aus, daß es nicht