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Der Lehrplan. 123
allem der Manner, die nach ihren geiſtigen Sähigkeiten und ihren Charakter⸗ eigenſchaften einen großeren Einfluß innerhalb der Lehrerſchaft beſaßen; mit ihrer Hilfe konnte er im Laufe der Jahre die zeitgemäße Umformung in dem Fiele und namentlich in der Methode der einzelnen Unterrichtsfächer vornehmen.
Der Unterricht in der Religionslehre.
Sür den Religionsunterricht entwarf Jakob Auerbach einen eingehenden Lehrplan, der in ſeinem methodiſchen Teil am Philanthropin bis heute maß⸗ gebend geblieben iſt. Der Unterricht nahm darnach in 3 Stufen einen dem Organismus der Bibel entſprechenden Gang; er begann mit der Geſchichte, ſchritt zur Glaubens⸗ und Pflichtenlehre fort und wies von ihr wieder auf die Geſchichte hin. Eine beſondere religiöſe Unterweiſung begann erſt in der 1. Vorſchulklaſſe, dem dritten Schuljahr; in den erſten beiden Schuljahren bot der Anſchauungs⸗ unterricht genügende Anknüpfungspunkte auch für die Erweckung religiöſen Intereſſes in den Herzen der Kleinen. Als Grundlage für den Unterricht dienten Auerbachs„Bibliſche Erzählungen“, deren erſter Teil 1873 erſchien; in dem Büchlein gab der verfaſſer eine Auswahl leicht faßlicher und anſprechender Er⸗ zählungen in einer Darſtellung, die die echt kindliche und zugleich weihevolle Sprache der Bibel mit der gewöhnlichen des Lebens unnachahmlich verbindet. Sür die mittlere und obere Stufe hatte Auerbach bereits 1856 die„Kleine Schul⸗ und Hausbibel“ erſcheinen laſſen, ein bibliſches Leſebuch, das„überall auf die eigentliche Bibel hinweiſt, demnach nicht mit ihr verwechſelt werden kann, andererſeits aber ein Abbild derſelben gibt und mit ihren eignen Worten in ſie einleitet.“ Die Grundſätze, die Auerbach bei der Abfaſſung der Schulbibel ge⸗ leitet haben, ſind in neuerer Heit auch im evangeliſchen Religionsunterricht zur Anerkennung gelangt und haben auch dort zur Abfaſſung ähnlicher bibliſcher Leſebücher geführt. Wie in der Bibel Geſchichte, Lehre und Gebot unzertrennlich miteinander verbunden ſind, ſo war auch im Unterricht kein Teil der Religions⸗ lehre von den andern ausgeſchloſſen.
mMit der Einführung des amtlichen Lehrplans vom Jahre 1882 am Philanthropin erhielten auch die unterſten Klaſſen, das erſte und zweite Schul⸗ jahr, Religionsunterricht; gemäß der geiſtigen Saſſungskraft dieſes Lebensalters beſchränkte er ſich auf Darbietung einer Reihe lebensvoller Bilder aus der Samilien⸗ und frühen Volksgeſchichte Ifraels. Die ſeit jener Zeit gemachten Erfahrungen führten zuerſt 1887, ſodann im vergangenen Jahr, zu Änderungen in der Verteilung des Lehrſtoffes auf den verſchiedenen Stufen. Die Be⸗ deutung der nachbibliſchen Geſchichte für die Erziehung der iſraelitiſchen Jugend iſt in den letzten Jahrzehnten mehr als früher erkannt und gewürdigt worden: Das Weſen des Judentums, ſeine innere Entwickelung bis zur Gegenwart, das Walten der göttlichen Vorſehung in dem wechſelvollen und leidensreichen Gange, den ſeine Bekenner mehr als tauſend Jahre gewandelt ſind, wird durch ſie dem Ver⸗ ſtändnis der Jugend nahe gebracht, ſie erfüllt die Herzen der Schüler mit Be⸗ geiſterung für die Ideale, die ſie als ein Erbe der Vergangenheit übernommen


