122 Das Lehrerkollegium. Das Lehrziel.
legung eines der gebräuchlichen Leitfäden erteilt werden. Der in der Stunde durchgenommene Wwiſſensſtoff wurde zur Wiederholung und Einprägung gewoöhn⸗ lich den Kindern durch Diktate vermittelt; einige Cehrer hatten für ihren Unter⸗ richt auf Koſten der Schulverwaltung eigene Leitfäden drucken laſſen, die aber nur dann gebraucht wurden, wenn der berfaſſer ſelbſt den betreffenden Unterrichts⸗ zweig erteilte.
Das Lehrziel.
Die eigentliche Aufgabe jeder, alſo auch unſerer Schule, wurde nicht immer in der richtigen Weiſe erfaßt und zur Erfüllung gebracht. Ebenſo klar wie treffend hatte ſchon 1813 der erſte Leiter der Schule, Heß, dieſe Aufgabe in den Worten präziſiert, die Schule habe die verſchiedenen Seelenkräfte der Zöglinge methodiſch zu entwickeln und auszubilden und ihnen daneben die Summe von Begriffen, Kenntniſſen und Sertigkeiten beizubringen, die zur geſchickten Sührung des bürger⸗ lichen Lebens erforderlich ſind. Die letztere, die ſogenannte praktiſche Seite, war im Laufe der Jahre mehr, als es der erziehliche Zweck zuließ, in den Vordergrund gedrängt. Die Unterweiſung in den fremden Sprachen hatte weniger die logiſche Schulung als den Erwerb eines möglichſt hohen Grades von Sprachfertigkeit zum Lehrziel, im Rechenunterricht herrſchte eine zu große Rückſichtnahme auf den kaufmänniſchen Beruf, dem ſich die meiſten Sôglinge ſpäter zuwandten, auf Sertigkeit; Schnelligkeit und Sicherheit in den Rechenoperationen, auf das praktiſche Wiſſen wurde mehr Gewicht als auf den höheren Zweck, die Bildung der Geiſtes— kräfte, den beſtimmenden Einfluß auf das Wollen des 5öglings gelegt; der Schreibunterricht ſtand gleichfalls allzuſehr im Dienſt des praktiſchen Lebens und fand eine großere Schätzung, als ihm im Rahmen einer Erziehungsſchule einge⸗ räumt werden darf.
Der Lehrplan.
Der Lehrplan der Schule zeigte gleichfalls manche Mängel; er litt vor allem an einem zu großen Nebeneinander der verſchiedenen Unterrichtsgegenſtände. Der franzoſiſche Unterricht begann bereits in der Vorſ chule der Real⸗ und höheren Mädchenſchule— hier bereits vom 2. Schuljahr ab— er konnte bei den geringen Kenntniſſen ſprachlicher und grammatiſcher Begriffe lediglich in mechaniſcher Einprägung von Vokabeln und Seitformen, in gedankenloſer Aufhäufung von Sätzen aus dem Gebiet des kindlichen Anſchauungskreiſes beſtehen und belaſtete nur zwecklos die Arbeitskraft des Kindes; ebenſo erhielt die Vorſchule bereits Unterricht im plangemäßen Seichnen, der Geographie u. ſ. w. Die Unterrichtsdauer war infolge dieſer mannigfachen Unterweiſung ungebührlich groß, ſie betrug in der erſten Vorſchulklaſſe bereits 38 Stunden und ſteigerte ſich in der Realſchule bis auf 42 Stunden in der Woche.
Die Abſtellung all dieſer Mißſtände und Mängel gelang dem neuen Leiter in der glücklichſten Weiſe. Sein ruhiges, ſtreng ſachliches, ſtets rückſichtsvolles Vorgehen gewann ihm die Unterſtützung des größten Ceils ſeiner Mitarbeiter, vor


