Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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116 Sigismund Sterns Nachfolger. Einführung des neuen Direktors.

namentlich der gereifteren Schüler gewinnen? Ich erwiderte, nicht ohne innere Erregung, ſofort:Primum incipere a se ipso. Ich werde mich ſelbſt in Zucht nehmen und jederzeit meine Pflicht und Schuldigkeit tun. Ich habe früh aus innerer Heigung den Lehrberuf ergriffen, ich liebe meine Schüler, mir iſt jede Unterrichtsſtunde eine Stunde der Weihe, des Gebens und Empfangens. Ulich erfüllt jede wahre Lehrerperſönlichkeit mit hoher Achtung. Von denen, die ich dort im Lehrerkollegium als ſolche erkenne, werde ich lernen, mit ihnen werde ich mich verbinden, allen aber möchte ich ein Beiſpiel werden treuer pflicht⸗ erfüllung. Ich bin entſchloſſen, mit aller Kraft und mit Einſetzung meiner ganzen Perſönlichkeit der Schule zu dienen. So hoffe ich nach und nach aller Schwierig⸗ keiten Herr zu werden.

Was ich damals in Berlin dem Vertreter der Staatsregierung geſagt, das habe ich unter Gottes Beiſtand als Direktor der Realſchule der Ifraelitiſchen Gemeinde zu Srankfurt a. Ml. von meinem vierzigſten bis einundſiebzigſten Lebensjahre in raſtloſer Arbeit nach dem Maße meiner Einſicht und Kraft erfüllt.

Geſchichte der Schule von 1868 bis 1004.

Einführung des neuen Direktors.

Am 3. Auguſt 1868 wurde Hermann Baerwald feierlichſt in ſein Amt als Direktor der Anſtalt eingeführt. Dank dem Eifer und der Hingebung der Mitglieder der proviſoriſchen Direktion fand er die Verhandlungen mit den vorgeſetzten Behorden wegen Eingliederung der Schule in die preußiſche Ordnung in gutem Gange und konnte ſie nunmehr zu gedeihlichem Ende führen.

Anerkennung des philanthropins als Realſchule 2. Ordnung.

Ein Miniſterial⸗Erlaß vom 25. Juni 1867 hatte, wie bereits erwähnt, die Bürger⸗ und Realſchule der Ifraelitiſchen Gemeinde auf Bericht der Gemiſchten Kirchen⸗ und Schulkommiſſion gleich der Muſterſchule und der Realſchule der Ifraelitiſchen Religionsgeſellſchaft als Realſchule 2. Ordnung anerkannt, obwohl das Philanthropin nur einen ſechsjährigen Kurſus wie die preußiſchen lateinloſen höheren Bürgerſchulen hatte.

Freilich konnte dieſe Eigenart von dem neuen Leiter nur mit großer Mühe aufrecht erhalten werden. Da nämlich die preußiſche Unterrichts⸗ und Prüfungs⸗ ordnung vom 6. Oktober 1859 ausdrücklich für die Realſchulen 2. Ordnung einen ſiebenjährigen Kurſus vorſchrieb, drohte der Schule wiederholt die Degra⸗ dation zu einer höheren Bürgerſchule, deren Schüler die Berechtigung nur durch eine beſondere Prüfung unter borſitz des Königlichen Kommiſſarius erhalten