Direktor Dr. Stern und ſeine Seit. 113
und Dr. Zirndorfer. Ihre Aufgabe war, zumal ihre Unterrichtsſtunden nur unweſentlich vermindert wurden, eine kaum lösbare; am ſchwierigſten hatte es Auerbach, der die Schule nach außen zu vertreten, alle offiziellen Schriftſtücke abzufaſſen, die Schüleraufnahmen zu beſorgen und das Schulprogramm zu ſchreiben hatte. Niemand war froher als ſie, als am 9. März 1868 die Wahl eines neuen Direktors dem Interregnum ein Ziel ſetzte.
24. Sigismund Sterns Nachfolger.
Und nun liegt mir zum Schluſſe noch ob, früher und an anderer Stelle Mit⸗ geteiltes*) ergänzend, zu ſagen, in welcher Lage mich der Ruf nach Srankfurt traf, und wie ich war, als ich dem Rufe folgte.
Es war im Mai 1867. Ich ſaß in einem Sreundeskreiſe, der ſich am Sonntagnachmittag zu verſammeln pflegte, und es kam das Geſpräch auf den von uns allen gekannten und ſehr geſchätzten jüngſt verſtorbenen Direktor Sigismund Stern in Srankfurt a. M.„Sür die leer gewordene Stelle“, ſagte der neben mir ſitzende Eduard Lasker, welcher die Srankfurter Schulverhältniſſe kannte,„halte ich Dich für den geeigneten Mann; wenn Du nichts dagegen haſt, werde ich die Sache anregen.“
Schon früher einmal, im Jahre 1860, waren auf Veranlaſſung meines Sreundes aus der Breslauer Gymnaſialzeit, Dr. Cudwig Gelsner, mit mir ver⸗ handlungen wegen Übernahme der durch den Cod Joſts vakant gewordenen Lehrerſtelle angeknupft worden und dem Abſchluß nahe, als ich durch das Eingreifen meiner Sreunde Dr. Michael Sachs und Dr. David Roſin in meiner Berliner Lehrtätigkeit feſtgehalten wurde. Inzwiſchen war ich ſeit dem Jahre 1864 feſt angeſtellt und verheiratet. Das häusliche Glück war mir durch einen anregenden Sreundeskreis erhöht, die Lehrtätigkeit war mir lieb geworden, das Einkommen mäßig, indes noch ausreichend. Nur eines war anmutend: die eventuelle Ausſicht auf eine konzentrierte, einflußreiche Tätigkeit an einer höheren Schule. Ich ließ alſo den Sreund gewähren; eine direkte Bewerbung meinerſeits unterblieb. Die Sache zog ſich in die Tänge. Auch nachdem das Schulrats⸗ mitglied Joſeph Rütten mich in Berlin beſucht, und ich einer Aufforderung, um die Weihnachtszeit 1867 mich hier vorzuſtellen, Solge gegeben hatte, erfolgte keine Entſcheidung, ſo daß ich die Sache für erledigt hielt. Ich war deſſen ganz froh, konnte ich doch in der liebgewordenen Tätigkeit und Umgebung bleiben. Da erhielt ich ganz unerwartet vom Schulrat die Anzeige meiner Wahl zum Direktor des Philanthropins(9. März 1868).
Völlig anders, als ich je gedacht, hatte ſich mein Lebensweg geſtaltet.
*) programm 1869, S. 37 ff.


