Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Direktor Dr. Stern und ſeine Seit. 111

. Ein Gewinn für die Schule war die Berufung des Lehrers an der hieſigen Handelsſchule, Auguſt Schli mbach, dem 1864 der Unterricht im kauf⸗ männiſchen Rechnen und Buchführen in der oberſten Klaſſe an Stelle des in den Ruheſtand getretenen LCeopold Beer übertragen wurde.

Im Spätjahr 1864 trat Dr. G. Coew e*) in das Lehrerkollegium ein. An ihm gewann die Schule einen durch reiche Kenntniſſe, Scharfſinn und Lehr⸗ begabung ausgezeichneten Lehrer.

Hu Beginn des Schuljahres 1865/66 erfolgte der Eintritt von Dr. Serdinand Neubürger.**) Er war ein Mann von ungewöhnlicher poetiſcher Begabung und reichen Kenntniſſen in der Literatur der modernen Kulturvolker. Zunächſt übernahm er den franzöſiſchen Unterricht in den mittleren und oberen Klaſſen der Knabenſchule.

Seit 1866 wirkte an der Schule Dr. CLudwig Roeder, ein feinſinniger, vielſeitig gebildeter Mann, der durch ſeine vielſeitige Bildung und durch ſeine edle Perſonlichkeit beſonders in der Mädchenſchule einen wohltuenden, bildenden und erziehenden Einfluß ausübte.

An die Stelle von Hecht trat im April 1866 Gotthold Kunkel*s), Sohn des ehemaligen Muſiklehrers am Lehrerſeminar zu Bensheim, an dem er als Lehrer ausgebildet wurde. Er hatte ſich ſchon vor ſeiner Berufung als Geſang und Muſiklehrer, Komponiſt und muſikaliſcher Schriftſteller betätigt.

Bei der Sürſorge, welche Stern der Mädchenſchule zuwandte, war es ein Glück, daß, als 1862 durch die Trennung der Knaben und Maädchen in der unterſten Klaſſe und 1864 durch die Ceilung der dritten Mädchenklaſſe die An⸗ ſtellung neuer Lehrkräfte notig wurde, zwei ausgezeichnete Lehrerinnen gewonnen wurden, nämlich 1862 Sräulein Roſalie Stiebel, die durch mehrjährige Wirkſamkeit in dem Mädchen⸗Waiſenhauſe des Irgelitiſchen Srauenvereins ſowie in der Reubürgerſchen Lehr⸗ und Erziehungsanſtalt ſich als tüchtige Lehrerin bewährt hatte, 1864 die in Callenberg bei Swickau ſeminariſtiſch ausgebildete Lehrerin Sräulein Emilie Maas(ſpäter Srau Stern).

Inzwiſchen nahte die Erfüllung des deutſchen Einheitstraumes. In dem Kampfe um die Vorherrſchaft in Deutſchland knupfte ſich zum Segen der Siviliſation und des Sortſchrittes der Sieg an die preußiſchen Sahnen. Srankfurt verlor die Souveränität, die ihm, wie jedem Staate, dem die Macht fehlt, aus eigener Kraft ſeine Unabhängigkeit zu ſchützen und zu behaupten, längſt eine gefahrvolle Bürde geworden war; es wurde eine preußiſche Stadt. Wie für ſeine geſamte Ent⸗ wickelung, ſo begann damit auch für ſein Schulweſen eine neue Ära.

*) programm 1865, S. 44. **) programm 1866, S. 78. ***) programm 1867, S. 59 f.