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Schulen erledigten Lehraufgaben. Seit 1861 war das Lehrerkollegium damit beſchäftigt, durch fortgeſetzte Konferenzen den Lehrplan für ſämtliche Unterrichts⸗ gegenſtände gründlich durchzuſprechen und die Lehraufgabe jeder einzelnen Klaſſe feſtzuſtellen. Das Reſultat dieſer Beſprechungen enthält in den Hauptzügen die Programmabhandlung von 1863„Was die Schule lehrt.“ Eine ausführliche Darlegung des Lehrplanes für beide Schulen bringt das Programm vom Jahre 1866.
Es iſt kein Sweifel, daß Stern ſowohl als Dirigent wie als Lehrer gleich ausgezeichnet war. Durch ſeinen Unterricht wollte er vor allem erziehlich wirken und das ſittliche Urteil der Schüler ſchärfen. Er lehrte ſelbſt vornehmlich Ge⸗ ſchichte und Deutſch in den oberen Klaſſen. In den beiden oberſten Klaſſen der Knaben⸗, wie der Mädchenſchule behielt er ſich außerdem je eine Unterrichtsſtunde für Geſchichte des Judentums vor. Noch heute erinnern ſich viele ſeiner Schüler und Schulerinnen ſeiner feſſelnden Geſchichtsvorträge und ſeiner beſonderen Sähigkeit, das Gelernte durch ſtete Wiederholungen einzuprägen, ſeiner anregenden Erläute⸗ rungen unſerer Klaſſiker und der ſorgfältigen Korrektur der Aufſätze, durch die er die Schüler zur Klarheit und Reinheit des Gedankenausdrucks anleitete. „Seinen Sügen war,“ ſo ſchildert ihn ein zeitgenöſſiſcher Mitarbeiter,„der Ernſt des Denkens und willens aufgeprägt, und wenn er in öffentlicher Rede die Schule zu vertreten hatte, es mochte bei heiterem oder bei traurigem Anlaß, in großer oder in kleiner Verſammlung ſein, ſchnell ſchwand die anfängliche Be⸗ fangenheit, von der er ſich trotz aller Erfolge merkwürdigerweiſe nie ganz zu befreien vermocht hat, gern folgten wir den gewandten und gewinnenden Worten, und mit Befriedigung drückten wir ihm, wenn er geendet, die Hand.“*)
Von ſeinem Amtsantritte bis Oſtern 1866 hat Stern, dem Beiſpiele ſeines Vorgängers Heß folgend, ſämtliche Einladungsſchriften zu den Prüfungen ſelbſt verfaßt und ihnen jedesmal eine allgemein verſtändliche, pädagogiſche Abhandlung vorangeſetzt. Daneben bringt er zuerſt in unſeren programmen ausführliche Schulnachrichten, welche uns über die Lehrer und den Schulrat, die Srequenz der Schule und die Veränderungen im Unterrichtsplane, ſowie ſonſtige wichtigere Ereigniſſe des Schuljahres unterrichten. Die Erwerbungen der Bibliothek und der naturwiſſenſchaftlichen Sammlungen und die Geſchenke für die Creizenach⸗ Stiftung finden ſich auch ſchon in den letzten Heßſchen Programmen. Stern hat auch den Brauch an unſerer Schule eingeführt, daß das Programm eine Selbſt⸗ biographie neu eingetretener Lehrer enthält; ſein Lebenslauf macht den Anfang (Programm 1856, S. 42 ff.). Auch führte er die Beigabe nicht das engere Gebiet der Pädagogik betreffender wiſſenſchaftlicher Abhandlungen von Lehrern zu dem Programm der Schule ein; wenigſtens veranlaßte er ſchon im Oktober 1866 Dr. Jakob Auerbach, eine Abhandlung über Leſſing und Mendelsſohn der Ein⸗ ladungsſchrift von 1867 beizugeben.
Stern war nach Srankfurt mit der Abſicht gekommen, ſeine volle Kraft der Schule zu widmen. Es war ihm aber nicht gegeben, ſich ganz in die fried⸗
*) Ludwig Gelsner, Nekrolog des Direktor Dr. Stern. Mitteilungen des Vereins für Geſchichte und Altertumskunde in Srankfurt a. M., Band III(1868), S. 199.


