Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Direktor Dr. Stern und ſeine Feit. 107

Eintritt aus 23 Lehrern und 5 Lehrerinnen), die, ſo verſchieden ſie naturgemaß auch waren, insgeſamt doch mit ihrem ganzen Intereſſe der Schule angehorten. Dieſe gleichmäßige Hingabe war das einheitliche Band. Im übrigen aber gab es ſchon deshalb, weil Heß ſchon ſeit dem Jahre 1852 zur Leitung der Anſtalt nicht mehr fähig und dieſe einer Kommiſſion von vier Lehrern uͤbertragen war, viel zu ordnen und zu beſſern. Buntſcheckig war die Unterrichtsverteilung, die ja ſchon, weil ſie nicht von einem einzigen, dem Oberlehrer, ſondern von der Konferenz ausging, nicht nach einheitlichen Geſichtspunkten geordnet war. Auch der Lehrplan ließ Syſtem und Ordnung vermiſſen. Ebenſo war die Hand⸗ habung der Disziplin nicht einheitlich geregelt. Nach allen dieſen Richtungen hin beſſernd einzugreifen war an ſich unerläßlich und für Stern geradezu ein perſönliches Bedürfnis, denn ihm war der Sinn für Ordnung angeboren und dazu noch durch ſeine philoſophiſche Schulung geſchärft. Eine logiſche, ſyſtematiſche Ordnung der Naaterien tritt in allen ſeinen wiſſenſchaftlichen Arbeiten hervor. Er konnte nicht ruhen, bis er die Dinge und perſonen an die gehörige Stelle geſetzt, Regel und plan in die Verwirrung, Solgerichtigkeit und Syſtem in alle ſeine Verhältniſſe gebracht hatte.**) Das hat er praktiſch in ſeiner Schule in Berlin und in der Verwaltung der dortigen Reformgemeinde betätigt, und das kam nun auch hier der Schule zu gute. Zunächſt ſorgte er für eine zweck⸗ mäßigere Unterrichtsverteilung dergeſtalt, daß die Hahl der in den einzelnen Klaſſen unterrichtenden Cehrer vermindert wurde. Sodann führte er die In⸗ ſtitution der Klaſſenlehrer ein. Jede Klaſſe erhielt einen Ordinarius, der für ihre Ordnung und Disziplin verantwortlich war. Eine Inſtruktion für die Ordinarien wurde in gemeinſamer Beratung mit dem Cehrerkollegium feſtgeſtellt und gedruckt. Ein neues Reglement über den Erſatz fehlender Lehrer wurde ausgearbeitet und vom Schulrat genehmigt. Ebenſo wurden Beſtimmungen und Anordnungen zur Herſtellung einer allgemeinen Disziplinarordnung getroffen und die wichtigſten Beſtimmungen einer Strafordnung feſtgeſtellt und gedruckt. Eine neue Ordnung der Abſentenliſten, Klaſſenbücher und Cenſuren wurden ein⸗ geführt.

Seine Hauptſorge galt von Anfang an einer Reviſion des LCehrplanes der Schule. Schon das erſte, 1856 von ihm herausgegebene Schulprogramm enthält eine tabellariſcheallgemeine Überſicht des Lehrpenſums und Lehr⸗ ganges in den verſchiedenen Unterrichtsgegenſtänden, nach den vier Haupt⸗ gruppen der Klaſſenteilung geordnet. Das programm von 1858 bringt zum erſten Male unter der Bezeichnung Lehrplan die in den einzelnen Klaſſen beider

*) Es waren(nach dem Dienſtalter geordnet) die LCehrer: Presburger, Uéville, Descostes, Sabel, Beer, Schlöſſer, Tendlau, Tréfouſſe, Dr. Joſt, Hecht, Blumenthal, Dr. Sirndorfer, Dr. Cehmann, Dr. Auerbach, Dr. Bier, Teblée, Allenberger, Müller, Kuper, Junker, S. Weil, Schönhof, Beifus; die Lehrerinnen: Sräulein Schuſter, Srau Bonn, Srau Wolter, Srau Beer, Sräulein Rupp.

**) Dr. J. H. Ritter in der Berliner Wochenſchrift für jüdiſche AngelegenheitenDie Gegenwart, Jahrgang 1867, fHr. 21.