Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

104 Oberlehrer Dr. Heß und ſeine Mitarbeiter.

von den früheren Geſanglehrern iſt Sriedrich Narz aus Sriedberg (1823 bis 1836) zu erwähnen. Ein langjähriges, erfolgreiches Wirken entfaltete dann Heinrich Hecht, geboren in Dürkheim am 22. lovember 1806, geſtorben im Amte am 11. Oktober 1865. Er lernte in ſeiner Jugend das Uhrmacher⸗ handwerk und arbeitete ſieben Jahre in Hancy und Lunéville. Auch diente er zwei Jahre als fifre à cheval im franzöſiſchen Heere. Er war ein Mann von außergewöhnlicher muſikaliſcher Begabung und ſpielte Pfeife, Slöte, Violine, Bratſche, Guitarre, Klavier und Orgel, ohne je einen Lehrer gehabt zu haben. Seine hervorragend ſchöne Singſtimme zeigte ſich, als er in Mannheim als Uhrmacher in Stellung war. Seit März 1836 erteilte er den Geſangunterricht der Schule; auch war er Vorſänger in der Andachtſtunde und leitete dort den Geſang. Daneben war er als Geſangvereinsdirigent und Konzertſänger tätig. Seinem Lehrberuf widmete er ſich mit beſonderer Liebe; ſein Unterricht war noch in vorgeſchrittenen Jahren jugendlich friſch. Alle dieſe Vorzüge, verbunden mit vortrefflichen Charaktereigenſchaften, verſchafften ihm in weiten Kreiſen Beliebtheit und Anſehen.

Tehrerinnen.

Hannchen Sleſch und Jenny Slersheim traten 1810 bei Begründung der Mädchenſchule als Lehrerinnen ein. Srl. Sleſch ſchied ſchon 1813 aus, um ſich zu verheiraten. Dagegen wirkte Srl. Slersheim(geb. 1774) bis 1843 als ordentliche Elementar⸗ und Handarbeitslehrerin an der Mädchenſchule. Laut ihrem Anſtellungsvertrag lag ihr auch die allgemeine Aufſicht über das Betragen der Mädchen ob.

Charlotte Schmidt, ſpäter Srau Wolter, kam 1843 zur Beaufſichtigung des Anſtandes und der Sitte der Söglinge der Mädchenſchule an die Schule, an der ſie lange Jahre eine erſprießliche Wirkſamkeit entwickelte. Heß rühmt im Programm von 1844 den wohltätigen Einfluß ihres Beiſpiels auf die heran⸗ wachſenden Mädchen.

Karoline Adler(geb. 28. Okt. 1822 in Srankfurt a. M., geſt. 30. Juni 1896), wurde 1840 Gehilfin an der Spielanſtalt und erteilte ſpäter verſchiedenen Elementar⸗ unterricht bis 1854, wo ihr Ehemann, der Lehrer Iſaak Schönhof, ihren Unter⸗ richt übernahm. Sie war eine energiſche, lebhafte und anregende Lehrerin.

Als Handarbeitslehrerinnen wirhkten in der hier von uns betrachteten Zeit u. a. Srau Johlſon und Srau Heß von 1813 bis 1825, Srau Suſanna Lehmann⸗Hanau von 1816 bis 1845.

Sräulein Roſalie Schuſter war ſeit 1822 bis zu ihrem am 22. Nov. 1860 im 78. Lebensjahre erfolgten Tode als Handarbeitslehrerin tätig. In glänzenden Verhältniſſen aufgewachſen, erwies ſie ſich nach dem Tode ihres Vaters als treue Pflegerin ihrer verarmten, leidenden Mutter. Dieſe Pflichttreue übertrug ſie auf ihren Unterricht. Bis zum Code bewahrte ſie die Sriſche ihres Geiſtes und die