Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Oberlehrer Dr. und ſeine Mitarbeiter. 103

praktiſch in der Elementargrammatik zu ſchulen und zum freien Gebrauch der franzoſiſchen Sprache anzuleiten.

In ausgezeichneter weiſe iſt es dem Schulrat gelungen, für den Schreib⸗ unterricht tüchtige Lehrkräfte zu gewinnen, ſo Brettenheim, Schuſter, Lôwen⸗ ſtein, Slörsheim, Allenberger und Müller.

Julius Brettenheim, geboren in Bretten, geſtorben zu Srankfurt a. M. am 27. Juni 1843, wirkte, nachdem er vorher in dem Sachsſchen Inſtitute unter⸗ richtet hatte, ſeit 1806 bis zu ſeinem Kinſcheiden mit Singebung und vorzüg⸗ lichem Erfolg als Schreiblehrer an der Schule.

Neben ihm wirkte von 1810 bis 1820 der ehemalige Sögling des philan⸗

thropins Abraham Meyer Salk als Schreiblehrer. 4 Salks Nachfolger war Seligmann Schuſter. Er lehrte bis 1849 Schon⸗ ſchreiben, bis zur Aufloſung der Knabenvolksſchule. Er war außer ſeinem Lehr⸗ fach noch Makler, wie Brettenheim und Salk noch Schreibwarenhändler; von ihren äußerſt geringen Gehältern konnten dieſe techniſchen Hilfslehrer unmöglich leben. Das Disziplinhalten fiel ihm, wie vielen Schreiblehrern, ſchwer.

Kathan Löwenſtein wirkte von 1836 bis 1850 mit Gewiſſenhaftigkeit und Ernſt als Schreiblehrer an der Schule, ſeit 1845 erteilte er den Schreib⸗ unterricht ſämtlicher Mädchenklaſſen. Er ſtarb am 9. Oktober 1856.

Amſchel Lob Slörsheim war ſeit 1839 als Schreiblehrer tätig, ſeit 1843 nach Brettenheims Tod voll beſchäftigt. Er ſtarb im Spätjahr 1852. ſeß rühmt ihm Geſchicklichkeit und pflichttreue nach.

Abraham Allenberger aus Sürth in Bayern kam 1848,

Louis Wüller 1851 von Heu⸗Iſenburg, wo der junge Lehrer damals beſchäftigt war, als Schreiblehrer an die Schule. Allenberger und Müller haben ſich ganz beſondere Verdienſte um den Schreibunterricht erworben, ſie ſind die eigentlichen Schöpfer der hier ſogenannten philanthropinſchrift.

Als Seichenlehrer wirkten von 1806 bis 1859 zwei ausgezeichnete Lehrer, Karl Bohmer und ſein Heffe Bernhard Schlöoſſer.

Karl Böhmer aus Darmſtadt war der erſte Seichenlehrer an unſerer Schule(ſeit 1806), gleichzeitig unterrichtete er auch am Sachsſchen Inſtitut. Er war ein bekannter Kunſtmaler und hatte mehrere Jahre zu ſeiner Ausbildung in Rom verbracht. Heß charakteriſiert ihn:Er war ein Biedermann in vollem Sinne des Wortes, mit ganzer Seele ſeinem Berufe ergeben, der aber auch bei jeder Veranlaſſung ſich bereitwillig zeigte, der Anſtalt ohne irgend ein anderes Intereſſe als das Wohl derſelben ſeine Zeit und Kraft zu widmen.

Bernhard Schlöſſer, geb. am 2. März 1802 in Darmſtadt, geſtorben im Amte am 8. September 1859, hatte ſeinen Oheim ſchon mehrfach vertreten, als er zu Oſtern 1831 ſein Nachfolger wurde. Er hatte ſich in Darmſtadt unter der Leitung des Galeriedirektors Müller und in Paris als Maler ausgebildet und genoß als ſolcher auch einen guten Ruf; ſo beauftragte ihn 1836 der Großherzog von Heſſen, ein großes Bild ſeiner verſtorbenen Gemahlin zu malen. Heß bezeugt ihm gründliche Kenntniſſe und gute Begabung.