Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

102 Oberlehrer Dr. Heß und ſeine Mitarbeiter.

Julius Blumenthal aus Ansbach, geboren 1802, zumal naturgeſchicht⸗ lichen Unterricht.

Der Unterricht in der Mathematik, früher hauptſächlich von Heß und Michael Creizenach gegeben, ging ſpäter an den 1839 eingetretenen Dr. Hermann Sirndorfer über, welcher nebſt Sabel, Leopold Beer, Auerbach, Dr. Bernhard Lehmann und Ceblée zu den einflußreichſten Lehrerperſönlichkeiten gehört, über die weiter unten noch zu berichten iſt.

Den franzöſiſchen Unterricht erteilte ſeit 1813 Dr. J. Weil, ein tüchtiger Lehrer und vielſeitig gebildeter Mann, der gelegentlich auch im Andachtſaal predigte. 1818 verließ er die Schule, um ein eigenes Inſtitut zu gründen. Sein Nachfolger war bis 1822 Lazarus Lambert.

Man iſt an unſerer Schule früher ſtets darauf ausgegangen, den fremd⸗ ſprachlichen Unterricht womöglich in die Hände von geborenen Sranzoſen und Engländern zu legen. Beim engliſchen Unterricht iſt dies nicht gelungen, dieſen erteilte zuerſt Leopold Beer, ſodann der ſeit 1841 als Lehrer an der Schule wirkende Dr. Bernhard Lehmann, ein wiſſenſchaftlich geſchulter, die engliſche und die romaniſchen Sprachen beherrſchender Neuphilologe. Der franzöſiſche Unterricht hatte in den drei Sranzoſen Néville, Descostes und Tréfouſſe vorzüg⸗ liche Vertreter.

Charles Réville ſſo ſeit 1816, früher hieß er Iſaie), geboren 1797 in Nancy, kam am 15. September 1815 als Lehrer ſeiner Mutterſprache an die Schule. Er erteilte mit großem Lehrgeſchick und regem pflichteifer nach einer von ihm konſequent ausgebildeten, ſtufenmäßig fortſchreitenden Methode 49 Jahre lang franzöſiſchen Unterricht, zumeiſt in der Mädchenſchule. Er war ein Mann von umfaſſender Bildung und gründlicher Kenntnis der franzöſiſchen Sprache, die er durch fortgeſetzte Studien zu erweitern und zu vertiefen bemüht war, und erzielte auch bedeutende Unterrichtserfolge. Am 1. Oktober 1864 trat er in den Ruheſtand, in dem er trotz ſchon lange vorher beſtehender Kränklichkeit noch bis zum 16. Juli 1878 lebte.

Chrétien philippe Vuaillet Descostes, geboren am 2. April 1790, wurde im November 1822 der Hlachfolger Lazarus Lamberts an der Knaben⸗ ſchule. Er hat in 50 jähriger Lehrtätigkeit, von der 40 Jahre unſerer Schule gehörten, vermöge ſeiner reichen Begabung und ſeiner mannigfaltigen Kenntniſſe ſegensreich gewirkt und die Anerkennung der vorgeſetzten Schulbehörde, die Hoch⸗ achtung der Kollegen und die Liebe der Schüler erworben. April 1863 trat er in den Ruheſtand, den er noch bis zum 12. Oktober 1873 genießen konnte.

Abraham Tréfouſſe, in Hagenau geboren am 6. Oktober 1806, lehrte ſeit Nai 1835 die Anfangsgründe des Sranzöſiſchen in der Volksſchule, ſpäter unterrichtete er in den unteren und mittleren Klaſſen der Real⸗ und Mädchen⸗ ſchule. flach 40 jähriger, eifriger und erfolgreicher Tätigkeit wurde er 1875 penſioniert und ſtarb am 13. April 1877. Er war ein lebensfroher, friſcher und dabei pflichttreuer Mann, der eine beſondere Gabe hatte, ſeine Schüler