Oberlehrer Dr. Heß und ſeine itarbeiter. 99
großem pflichteifer; mit 22 Jahren konnte er noch ſagen, er habe nie zwei aufeinanderfolgende Tage den Unterricht verſäumt. Er ſtarb am 12. Januar 1859.
Simſon Weil aus wallerſtein hatte in ſeiner Jugend talmudiſchen Studien obgelegen und ging nach autodidaktiſcher Vorbereitung auf die Univerſität. Nachdem er als Taubſtummenlehrer in München und hier als Erzieher gewirkt hatte, kam er 1854 als Lehrer des Hebräiſchen an die Schule. Er ſtarb ſchon 1860 im Alter von 42 Jahren. Hach Presburgers Tod hatte er alle Unterrichts⸗ ſtunden des Verſtorbenen übernommen. Wenige mochten hinter ſeinem unſchein⸗ baren Ausſehen und ſeiner ſcheuen Hurückhaltung die bedeutende perſönlichkeit vermuten; aber denen, die ihm näher traten, erſchien er als ein Mann mit einem reichen Innenleben, mit einer idealen Lebensanſchauung und feinem Humor begabt, voll reicher und tiefer Kenntnis des jüdiſchen wie des profanen Wiſſens (i. Progr. 1861, S. 43 f.).
In der Hand der Lehrer, welche den Religionsunterricht erteilten, lag ge⸗ wohnlich auch der deutſche Unterricht; insbeſondere ſind hier Keß, Nl. Creize⸗ nach, Joſt und Auerbach zu nennen.
Dr. Theodor Creizenach war von 1839 bis 1854 zeitweiſe mit wenigen wochentlichen Unterrichtsſtunden als Hilfslehrer für Deutſch und Geſchichte beſchäftigt.
Dr. Heinrich Bier hat von 1845 bis 1857, wo er wegen Kränklichkeit ausſchied(er ſtarb 6. Mai 1862), als Lehrer des Deutſchen und der Geſchichte, in den oberen Knaben⸗ und Mädchenklaſſen vermöge ſeiner ausgezeichneten äſthe⸗ tiſchen Bildung und ſeiner gewinnenden perſonlichkeit in anregender Weiſe bildend und erziehend gewirkt. Er war auch vielfach literariſch tätig, u. a. ſchrieb er eine biographiſche Skizze Geiſenheimers(im Volkskalender von K. Klein 1857, S. 195 ff.).
Zu den gediegenſten und zuverläſſigſten Mitarbeitern Heß'’, der ihm faſt während der ganzen langen Seit ſeiner Amtsführung zur Seite ſtand, gehörte Jakob Hirſch Bechhold)(geboren im März 1792 zu Bechhofen in Bayern, an der Schule ſeit Anfang 1809, emeritiert 1854, geſtorben 2. Dezember 1862). Er iſt als ein 17jähriger Jüngling als Hilfslehrer eingetreten, hat ſich hier zu einem der tüchtigſten Lehrer ausgebildet und 45 Jahre hindurch ſeine beſte Kraft erfolgreich der Schule gewidmet. Er hat anfangs in Elementarfächern, ſpäter hauptſächlich in Rechnen, kaufmänniſchem Rechnen und Buchhaltung, auch in Naturgeſchichte und Hatur⸗ lehre, ſowie in allgemeiner kaufmänniſcher Wiſſenſchaft unterrichtet. Heß be⸗ zeichnet ihn als einen der ſtrebſamſten und kenntnisreichſten des Lehrerperſonals. Stern rühmt ihm nach, daß er es wie wenige verſtanden habe, ſeinen Geiſt, den Geiſt unermüdlichen ſelbſttätigen Bildungsſtrebens, auf ſeine Schüler und die Anſtalt zu übertragen, und nennt ihn einen Lehrer, der für ſeinen Beruf leiden⸗ ſchaftlich begeiſtert war, der eher ſich ſelbſt und ſein Intereſſe, als ſeine pflicht und ſein Amt vergaß; er lobt beſonders ſeinen anregenden Unterricht in den Naturwiſſenſchaften. 1823 vertrat Bechhold mit Lehmann den erkrankten Oberlehrer. Von 1819 bis 1823 erteilte er auch an der Selektenſchule Rechen⸗
*) So nannte er ſich ſeit 1811; früher erſcheint er unter dem Namen Bechhof.
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