Gberlehrer Dr. Heß und ſeine Mitarbeiter. 95
Je heftiger ſeine Gegner ihn angriffen, um ſo lebhafter traten andererſeits Heß Sreunde für ihn ein. Immer und immer wieder wurde von allen Seiten bei beſonderen Anläſſen die aufopfernde Tätigkeit des Oberlehrers und der geſamten Lehrer anerkannt und mit begeiſterten Worten geprieſen, und die Erfolge ihres Wirkens, wie die Leiſtungen bei den offentlichen Pruͤfungen, die Tuchtigkeit der ehemaligen Schuͤler im Leben, das ſtetige Wachstum der Schule, gaben dem Schulrate, Heß und ſeinen Mitarbeitern ſtets neuen Schaffensmut und neue Schaffensluſt.
Es iſt eine bemerkenswerte Erſcheinung, daß, obgleich am Ende des 18. Jahrhunderts für die jüdiſche Jugend die Gelegenheit und Möglichkeit, ſich eine geregelte Schulbildung anzueignen, nicht beſtand, dennoch ſchon im erſten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts eine genügende Anzahl jüdiſcher Lehrkräfte vorhanden war, die im Philanthropin und in dem hier damals faſt gleich⸗ zeitig begründeten Sachsſchen Inſtitut Verwendung finden konnten.
In ſeiner ſich faſt über ein halbes Jahrhundert erſtreckenden Cätigkeit an unſerer Schule ſah Heß mehrere Generationen von LCehrern.
Von beſonderer Wichtigkeit war es für unſere Schule jederzeit, geeignete Lehrkräfte für den Religionsunterricht zu beſitzen.
Joſeph Johlſon, geboren in Sulda am 12. November 1777, gehörte zu den begabteſten jüdiſchen Lehrern und Schriftſtellern der nachmendelsſohnſchen Epoche. Er erteilte bis 1813 verſchiedenen Unterricht am Gymnaſium in Kreuznach. 1813 wurde er als Religionslehrer an die eben gegründete Bürger⸗ und Real⸗ ſchule berufen. Heß, dem ſehr daran gelegen war, einen modern gebildeten und mit ausreichenden hebräiſchen Kenntniſſen ausgerüſteten Religionslehrer für die neue Anſtalt zu gewinnen, begrüßte ſeine Anſtellung mit großen Hoffnungen. In der Tat hat Johlſon den Religionsunterricht und die Schulandacht durch Abfaſſung eines Lehrbuches und eines Geſangbuches geföordert und ſich um die Einrichtung eines geläuterten jüdiſchen Gottesdienſtes bemüht. Bald aber zeigten ſich die Schwierig⸗ keiten ſeines Huſammenwirkens mit Heß. Johlſon betrachtete den Religions⸗ unterricht als den Mittelpunkt des geſamten Unterrichts und erkannte als Religionslehrer die Autorität des Oberlehrers nicht an. Dazu kam, daß der ſchriftſtelleriſchen Begabung Johlſons ſeine Lehrbefähigung in keiner Weiſe ent⸗ ſprach, ſo daß die praktiſchen Erfolge ſeines Unterrichts mit Recht bemängelt wurden. Er wirkte hauptſächlich als Prediger in der Andachtſtunde, welche Sunktion er auch nach ſeiner im März 1830 erfolgten penſionierung fortſetzte. Er ſtarb am 13. Juni 1851.
Dr. Michael Creizenach) war geboren in Mainz am 16. Mai 1789. Seine Jugend und ſeine Lernjahre fallen in die Seit, wo in Nlainz
*) S. Heß, Progr. 1843; Adolf Brüll in der Allg. Deutſchen Biographie Bd. 47, S. 546; Schlichtengrull, Neuer Nekrolog der Deutſchen, Weimar 1844.


