Prüfungen. Serien. 89
ſie auch durch die Anregung des Ehrgeizes forderlich ſein. Die feierliche Ent⸗ laſſung der abgehenden Hoglinge war ſowohl für die Austretenden und ihre Angehorigen als für die zuruͤckbleibenden Schüler ein weihevoller Moment.
Das jüdiſche Philanthropin verdankte den Prüfungen zum großen Teile ſeine Popularität. 4
Die Prüfungen des Philanthropins dauerten zuerſt zwei achmittage, nach dem Hinzutritt der Mädchenſchule vier Nachmittage, jedesmal ſechs Stunden. Hur Heit der Bürger⸗ und Realſchule dauerten ſie gewöhnlich vier Tage, am Nachmittage des letzten Prüfungstages war eine Schlußfeier. In dieſer Aus⸗ dehnung blieb die Prufung bis 1880; doch nahm das Intereſſe des publikums an den Prüfungen ſchon fruͤhe ab, und es zeigte ſich immer mehr, daß die dazu erforderliche Vorbereitung eine Stôrung des regelmäßigen Unterrichts verurſachte, die in keinem Verhältnis zu ihrem tatſächlichen Werte ſtand; aus dieſem Grunde hatte ſie der Schulrat z. B. ſchon 1818 und 1822 ausfallen laſſen. 1881 wurden die Prüfungen auf drei Cage beſchränkt, am vierten war die Schlußfeier. 1886 und 1888 wurde ihre Dauer noch weiter auf drei Cage bezw. zwei Tage lein⸗ ſchließlich Schlußfeier) verkürzt, und Oſtern 1893 fand die letzte offentliche Prüfung ſtatt. In welcher Weiſe die Aufhebung der Schulprüfung erfolgte, wird in einem ſpäteren Abſchnitt der Schulgeſchichte ausgeführt werden,
19. Ferien.
Die Schulordnung von 1822 beſtimmt über die Serien(§ 85):
„Die Schulferien werden hiermit feſtgeſetzt:
1) auf die Woche der offentlichen Schulprüfung,
2) auf alle Hauptfeſttage der Iſraeliten und Samſtage,
3) auf den Tag vor Oſtern, vor dem Verſohnungstag, vor dem letzten Laub⸗ hüttenfeſttage, auf den Erinnerungstag an die Serſtörung Jeruſalems, auf das Purimfeſt, auf den 18. Oktober, auf die, von der Staatsbehorde vorgeſchriebenen, allgemeinen chriſtlichen Seiertage und auf einen der Weinleſetage,
4) auf die Hundstage, und zwar vom 23. Juli bis 6. Auguſt einſchließlich.
Außer dieſer Seit wird täglich von morgens 8 bis mittags 12 und nach⸗ mittags von 2 bis 6 Uhr(reitags und Sonntags von 2 bis 4 Uhr) Unterricht gegeben.“
während die Lehrerkonferenz darauf ausging, die etwas reicher bemeſſenen Serien der übrigen hieſigen Schulen zu erhalten, hielt es der Schulrat lange Jahre für ſeine Pflicht, von der Serienordnung nicht abzugehen. Seit Oktober 1845 gab er die Sonntagnachmittage frei, 1853 entſchloß er ſich dazu, die Sommer⸗ ferien auf 3 Wochen zu verlängern, 1869 wurden ſie auf vier Wochen ausge⸗ dehnt, ſeit 1862 dauerten die Weihnachtsferien bis einſchließlich 2. Januar. Su Anfang der 70er Jahre wurde die allgemeine Serienordnung der Srankfurter höheren Schulen auch für unſere Schule maßgebend.


