Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Klaſſen. 83

Nach zweijährigem, erfolgreichem Beſuch einer Klaſſe rückten die Schuler in die nächſtfolgende auf. Der normale verſetzungstermin war zu Oſtern, am Ende des Schuljahres. Bei beſonders befähigten Schülern oder bei mittelmäßig begabten Schülern, die das Durchſchnittsalter der Klaſſe ſchon erheblich über⸗ ſchritten hatten, war eine berſetzung nach einjährigem Beſuch einer Klaſſe oder auf den 1. Oktober ausnahmsweiſe zuläſſig. Die Namen der Klaſſen waren von unten nach oben I.— V. bezw. 1.— 4. Mädchenſchule). Zu Oſtern 1841 wurde die Be⸗ nennung umgekehrt, und ſeitdem bezeichnen die niedrigen Siffern höhere Klaſſen; die oberſte Klaſſe hieß fortan erſte, wie ſchon zur Feit des alten Philanthropins. Die Lehrerkonferenz vom 9. Cktober 1840 führte als Gründe für dieſe Um⸗ änderung an: der allgemeine Brauch am hieſigen Orte ſei ſo, auch habe die Anderung den borteil, daß bei eintretenden Veränderungen die unteren(damals ſchon mehrfach geteilten) Klaſſen ſo wieder vereinigt werden konnten, ohne die Reihenfolge zu unterbrechen, ferner werde ſie die Solge haben, daß die Lehr⸗ herren aus der Klaſſe des Ausſcheidenden ſogleich wüßten, ob er den ganzen Schulkurſus durchgemacht habe oder nicht. Beſonders ſtarke Klaſſen teilte man manchmal in einzelnen Unterrichtsgegenſtänden, während man ſchwach beſuchte Klaſſen, zumal die beiden oberſten Knabenklaſſen und ebenſo die oberſten Mädchen⸗ klaſſen, in den meiſten Sächern gemeinſam unterrichtete. So wurde z. B. erſt 1835 die bis dahin in den meiſten Lehrgegenſtänden mit der vierten vereinigte fünfte(oberſte) Knabenklaſſe in faſt allen Sächern von ihr getrennt, 1836 waren die beiden Klaſſen nur noch im Schreiben teilweiſe vereinigt. Bei ſolchen Kom⸗ binationen mußte natürlich die eine Klaſſe in das LCokal der anderen umziehen. In derſelben Weiſe half man ſich oft bei Verſäumniſſen einzelner Lehrer. Ge⸗ legentlich finden wir auch einmal, daß der Schulrat in den zwanziger Jahren den gar zu ſchwach gewordenen oberſten Klaſſen durch eine außerordentliche Verſetzung zu Michaelis aufzuhelfen ſuchte. 4

Trotzdem die Srequenz der Schule ſtets zunahm und die Klaſſen vielfach überfüllt waren, ſchritt doch erſt Direktor Stern zur Bildung von vollkommen getrennten Parallelklaſſen; die erſten beſtanden im Schuljahr 1856/57. Im Schul⸗ jahre 1864/65 wurde der Beſchluß durchgeſetzt, daß keine Klaſſe über 50 Schüler haben ſollte.

Im Oktober 1827 wurde für die neu in die Schule kommenden Knaben und Mädchen eine gemeinſame Vorbereitungsklaſſe(auch Klaſſe la genannt) mit einjährigem Kurſus gebildet. Zweck dieſer Klaſſe war nicht nur die Erlernung des Leſens und Schreibens, wie in den Sitzſchulen, ſondern auch die erſten Sahl⸗ begriffe den Knaben beizubringen, beſonders aber ſie im richtigen Ausdruck über die ſie umgebenden Dinge und ihre ſinnlichen Wahrnehmungen zu üben. Aus ihr kamen die Kinder in die„erſte eigentliche Klaſſe“, d. h. die unterſte Klaſſe der Knaben⸗ bezw. Mädchenſchule. 1840 wurde zwiſchen die Vorbereitungs⸗ klaſſe und die I. Klaſſe noch eine Klaſſe(la genannt) eingeſchoben, in der auch Knaben und Mädchen zuſammenſaßen. 1841 wurden die Namen umgekehrt, und die Klaſſen hießen nun Vorbereitungsklaſſe und VI, V, IV, III, II, I.

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