82 Die Beaufſichtigung der häuslichen Arbeiten.
Nach wie vor blieb der Wunſch eines großen Ceils der Eltern nach einer Beaufſichtigungsanſtalt der Schule beſtehen. Im Srühjahr 1854 erbot ſich der Lehrer Dr. Hermann 5irndorfer, eine ſolche Anſtalt im Verein mit mehreren andern Lehrern zu begründen und ihre Leitung zu übernehmen. Der Schulrat beſchloß unterm 10. Oktober die Errichtung der Anſtalt und forderte von der LCehrerkonferenz einen plan dafür. Eine aus dem Schulratsmitglied Dr. Gunders⸗ heim und den Lehrern Dr. Heß, Schlöſſer, Dr. Sirndorfer und Sabel beſtehende Kommiſſion entwarf den Plan einer ſolchen Anſtalt, die die Schüler wöchentlich 12 Stunden für ein monatliches Honorar von 2 ½ fl.(in der Muſterſchule koſtete die Aufſicht monatlich 2 fl.) aufnehmen ſollte; zunächſt ſollten 2 Lehrer die Aufſicht führen. Sabel, der ſelbſt eine gut beſuchte Halbpenſion beſaß, ſtimmte abweichend von der Mehrheit der Kommiſſion gegen die Errichtung einer Beaufſichtigungs⸗ anſtalt. Auch die Lehrerkonferenz erklärte es unterm 25. Oktober für wünſchens⸗ wert,„daß die Schule für ſolche Kinder, welche entweder ſehr beſchränkt oder nachläſſig ſeien oder zu Hauſe gar keine Aufſicht haben, eine Einrichtung habe, in welcher dieſelben ihre Arbeiten unter zweckmäßiger Beaufſichtigung anfertigen können.“ Am 6. Dezember aber ſprach ſich die Mehrheit der Lehrerkonferenz nach einem Referat von Dr. Jakob Auerbach gegen Errichtung einer Beauf⸗ ſichtigungsanſtalt durch die Schule aus; beſonders maßgebend war dabei die materielle Schädigung, die die Mehrzahl der Lehrer, welche bei den geringen Gehältern auf das Nebeneinkommen aus ihren Halbpenſionen angewieſen waren, durch die Errichtung dieſer Anſtalt erlitten hätte. Die Lehrerkonferenz verwarf alſo den Antrag der Kommiſſion. Dr. Sirndorfer legte in einem Schreiben an den Schulrat nochmals ſeine abweichende Anſicht dar und betonte, Privatintereſſen müßten denen der Allgemeinheit nachſtehen, er hob das Bedürfnis einer ſolchen Anſtalt als dringend hervor und beſtritt die Möglichkeit irgend welchen Schadens für die Schule durch die Anſtalt. Aber umſonſt; der Plan blieb unverwirklicht und die privaten Beaufſichtigungsanſtalten einzelner Lehrer ſtanden noch lange in Blüte. Hatten ſie vielleicht für die Selbſtändigkeit des Arbeitens der Schüler einige Nachteile, ſo muß man andererſeits wahrheitsgemäß anerkennen, daß ſie erziehlich durchaus günſtig wirkten und manchem auswärtigen Schüler ein Heim boten, der ſich ſpäter dankbar daran erinnerte. Auch die Schule hatte u. a. den Vorteil von ihnen, daß aus den Gehilfen dieſer Anſtalten mehrere ihrer tüchtigſten Lehrer hervorgingen.
14. Die Klaſſen.
1813 war die Knabenſchule mit fünf Klaſſen von je zweijährigem Kurſus eingerichtet worden, die Mädchenſchule hatte vier zweijährige Klaſſen. Die Kinder traten gewöhnlich im Alter von fünf Jahren in die Schule, doch kamen auch vier⸗ und ſechsjährige Anfänger vor. Eine Sixierung des Alters für die Auf⸗ nahme in die unterſte Klaſſe auf ſechs Jahre trat erſt mit Beginn des Schul⸗ jahres 1863/64 in Kraft.


