Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Spielanſtalt. 79

12. Die Spielanſtalt.

Im Juni 1839 hatte Sriedrich Srobel, der Leiter der Erziehungsanſtalt zu Keilhau in Schwarzburg, in dem eine Stunde von dieſem Orte entfernten Blankenburg eine Anſtaltzur pflege des Beſchaftigungstriebes für Kindheit und Jugend eröffnet. Während in den ſeitherigen Kleinkinderſchulen die Kinder ruhig geſeſſen hatten daher der NameSitzſchulen und dabei auch Leſen gelernt hatten, ging Sröbel darauf aus, Geiſt und Körper der Kinder vom zarteſten Alter an durch Bewegungsſpiele, zu denen er beſondere Spielgeräte erfand, und Reigen gleichmäßig anzuregen und auszubilden. Mit ſeiner Klein⸗ kinderſchule verband er eine Anſtalt, in der zunächſt nur junge Männer zu Pflegern und Erziehern kleiner Kinder ausgebildet wurden.

Srobels Gedankze fand allenthalben bei den Jugendbildnern begeiſterte Aufnahme; auch in Srankfurt fiel er auf fruchtbaren Boden. Der Inſtituts⸗ vorſteher Dr. J. Weil entſchloß ſich ſofort, ſeinem Inſtitut eine Anſtalt für kleinere Knaben nach Sröbelſchem Syſtem anzugliedern, und entſandte ſeinen Sohn Dr. Heinrich Weil, den ſpäteren bekannten Profeſſor der Philologie, zu Sröbel, um deſſen Methode kennen zu lernen. Auch Heß gedachte mit der Bürger⸗ und Realſchule eineSpielanſtalt zu verbinden. Sröbel erfuhr von dieſer Abſicht des Oberlehrers durch Herrn von Bernhardi; er ſchlug Heß in einem herzlichen Schreiben vor, einen jungen Lehrer, etwa Herrn Hochſtädter, auf 4 bis 6 Wochen nach Blanktenburg zu entſenden. Der Schulrat war damit einverſtanden und gewährte die dazu erforderlichen Hlittel. Am 26. Auguſt 1839 reiſte Hochſtädter hier ab. Er kehrte am 7. Oktober zurück und erſtattete am 10. Oktober dem Schulrate einen Bericht über die Sröbelſche Anſtalt, die auch ihn entzückt und begeiſtert hatte, und die Erforderniſſe für eine ſolche Anſtalt. Der Schulrat hatte ſchon Ende September durch einen Aufruf zur Anmeldung von Knaben und Mädchen vom vollendeten 3. Jahre an für die neue Spielanſtalt aufgefordert. Das jährliche Schulgeld betrug dafür 15 fl.(Weil nahm 24 und 30 fl.), für die Spielſachen mußte jedes Kind noch fl. 1.30 entrichten. Im Kompoſtell war kein Raum für die Spielanſtalt. Daher wurde ihr ein beſonderes Lokal in der Langeſtraße gemietet. Dieſes Cokal war aber ſehr koſtſpielig, es koſtete monatlich 40 fl. Daher mietete man vom 1. Mai 1840 an andere, ebenfalls an der Langeſtraße gelegene Räume. Am 1. November 1839 wurde die Anſtalt eröffnet. Ihr Leiter war der junge Lehrer Jeſajas Hochſtädter, dem als Gehilfin Auguſte Bechhold, die Tochter des Lehrers Jakob Bechhold, zur Seite ſtand; vom HNovember 1840 an teilten ſich Jungfer Bechhold und Jungfer Karoline Adler in die Aufgabe der Gehilfin, am 1. April 1841 ſchied Sräulein Bechhold aus. Sür die körperliche pflege der Kleinen war noch eine Magd angeſtellt. Die Kinder konnten von 10 bis 12 Uhr morgens und 24(im Sommer 35) Uhr nachmittags an allen Wochentagen außer Samstag und Sonntag in der Anſtalt ſein. Hochſtädter war täglich von 11 12 Uhr da, für dieſe Seit waren Beſuche von Neugierigen erbeten. Seit 1840 war auch der Lehrer Tendlau täglich eine Stunde an der Anſtalt tätig.

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