Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Der Lehrplan. 75

Im Religionsunterricht*) wurden, von der bibliſchen Geſchichte ausgehend, die religiöſen und moraliſchen Grundbegriffe entwickelt. Dann folgte eine zuſammen⸗ faſſende Religionslehre und in den oberen Klaſſen eine ſyſtematiſche Religions⸗ und pflichtenlehre und eine Überſicht der Religionsgeſchichte und des Ritualweſens. Beſtändig waren die Lehrer bei dem Unterricht darauf bedacht,„die Schüler für die Religion zu erwärmen, ihnen Achtung und Liebe für dieſelbe und Ehrfurcht vor ihren heiligen Urkunden einzuflößen“.*)

Sterns Lehrplan legt großen Wert auf poſitiv jüdiſchen Inhalt des Religions⸗ unterrichts. Der Unterricht begann nach ihm mit bibliſcher Geſchichte, die in den erſten beiden Jahreskurſen vor⸗ und nacherzählt wurde. Vom dritten Jahr⸗ gang ab bildete die Grundlage und den Ausgangspunkt der religiöſen Unter⸗ weiſung das Leſen in Auerbachs Kleiner Schul⸗ und Hausbibel, deren Anhang auch Gelegenheit bietet, den ethiſchen Inhalt des Talmuds kennen zu lernen. Belehrungen über die Geographie von Paläſtina, über Sitten und Einrichtungen im jüdiſchen Staat und Volk wurden ſchon im zweiten Jahreskurs gegeben. Die oberſten Klaſſen wurden auch in Glaubens⸗ und pflichtenlehre und der Geſchichte des Judentums ſyſtematiſch unterwieſen.

10. Die Unterrichtszeit.

Der Unterricht umfaßte um 1835 wochentlich in der unterſten Knaben⸗ klaſſe 32 Stunden, in der zweiten 36, in der dritten und fünften 42, der vierten 44 Stunden. Die erſte(unterſte) Mädchenklaſſe hatte damals 42 Stunden, darunter 14 Stunden Handarbeiten, die zweite Mädchenklaſſe 45 Stunden, darunter 15 Hand⸗ arbeitsſtunden, die dritte 50 Stunden, davon 16 Stunden Handarbeit, die vierte und fünfte 51 Stunden, davon 14 bezw. 11 Handarbeit, die gemeinſchaftliche Vorbereitungsklaſſe hatte 28 Stunden.

Swar wurde dieſe Stundenzahl mit der Seit etwas verringert, doch betrug ſie für die Knaben 1867/68 immer noch von 24 bis 42 Stunden, bei den Mädchen von 24 bis 36 Stunden; 1868 jedoch wurde die zuläſſige Höchſtzahl der Stunden auf 39 feſtgeſetzt. Der Unterricht dauerte vormittags täglich von 8 bis 12 und nachmittags in den oberen Klaſſen von 2 bis 6 Uhr, mit einer Pauſe um 10 und 4 Uhr, in den unteren und mittleren bis 4 bezw. 5 Uhr. Bei den Mädchen begann der Rachmittagsunterricht wegen der Handarbeit ſchon um 1 Uhr wieder. Seit 1868 ſind nach und nach auch hierin Veränderungen nach Maßgabe der für die preußiſchen höheren Schulen geltenden Beſtimmungen eingetreten.

*) Siehe programm 1821, 1838, 1866. **) Siehe Programm 1838, Seite 27.