Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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70 Verhältnis der Schule zur iſraelitiſchen Gemeinde.

wähnen, ihr vielmehr eine Gunſt zu erweiſen als von ihr eine Wohltat zu empfangen. Geſchehen iſt's dann um die ſittliche Bildung, die nur auf Achtung und Gehorſam gegründet werden kann.

Unterzeichnete Behörde würde es daher für ein erfreuliches Seichen der zunehmenden beſſern Einſichten und des wachſenden Eifers fürs allgemeine Beſte halten, wenn eine lebhaftere Teilnahme an der Anſtalt und eine richtigere An⸗ erkennung ihres innern Wertes was eine unfehlbare Solge einer genauern Bekanntſchaft mit derſelben ſein wird unter den Gemeindegliedern ſichtbar und die Schule dadurch inſtand geſetzt würde, in größerem Umfange Gutes zu wirken und ſich dem Siele der Vollkommenheit immer mehr zu nähern.

Zur Beförderung dieſer heilſamen Abſicht folge hier eine kurze Überſicht der Lehrgegenſtände. Dieſe ſind in der Knabenſchule: Religion, hebräiſche, deutſche und franzöſiſche Sprache, Rechnen und Buchhaltung, Geographie und Geſchichte, ſaturgeſchichte und Naturlehre, Schönſchreiben, Zeichnen und Singen.

Der Unterricht in der Mädchenſchule umfaßt, mit Ausnahme von Buch⸗ haltung und Raturlehre, dieſelben Gegenſtände nebſt den weiblichen Arbeiten. Das Hebräiſche lernen die Mädchen bloß geläufig leſen.

Die Schüler der Volksſchule erhalten Unterricht in der Religion, im Hebräiſchen, Deutſchen, Rechnen, Schreiben, Heichnen und Singen, nebſt dem Not⸗ wendigſten aus der Erd⸗ und ſatur Beſchreibung, die Schülerinnen auch in den weiblichen Arbeiten.

Der geſamte Unterricht wird von neunzehn, teils ordentlichen teils außer⸗ ordentlichen, Lehrern und Lehrerinnen beſorgt.

Die Schule befriedigt demnach die Bedürfniſſe aller Klaſſen unſrer Gemeinde und verdient in jeder Hinſicht durch allgemeines Zutrauen begünſtigt zu werden.

Srankfurt a. MI., im Juli 1822.

Die Verwaltungsbehörde der Ifraelitiſchen Religions⸗Gemeinde.

7. Allgemeine Verhältniſſe der Lehrer.

Von dem Oberlehrer Heß kann man ſagen, daß er ſelbſt mit den Aufgaben, die ihm an der Schule geſtellt waren, gewachſen und durch die an ihr gemachten Erfahrungen zu einem hervorragenden Schulmanne herangereift iſt. Wie er, ſo waren auch ſeine Mitarbeiter in den erſten Jahrzehnten Autodidakten, die lehrend lernten und durch fortgeſetzte Arbeit an ſich ſelbſt ſich meiſt zu großer Tüchtigkeit erhoben. Dahin gehören Männer wie Lehmann, Bechhold, Presburger, die eine überaus ſegensreiche Tätigkeit an der Schule entfaltet haben. Hathan Hirndorfer war für lange Seit der einzige, der mit ſeminariſtiſcher Bildung eintrat(1813). Auch von denen, die zwiſchen 1813 und 1835 eingetreten ſind,