Verhältnis der Schule zur iſraelitiſchen Gemeinde. 69
niſſen ausgerüſteter und zum Bewußtſein ihrer ſittlichen Würde erhobener Jünglinge, viele zu ihrer Beſtimmung vollkommen vorbereitete Mädchen ſind aus derſelben hervorgegangen. Mancher Jüngling, der in Verwahrloſung und roher Unwiſſenheit, eine Buürde der Geſellſchaft, herangewachſen wäre, iſt jetzt in einem ehrbaren Berufe nützlich beſchäftigt, eine Stütze ſeiner Eltern. Viele Hausväter aus dem littelſtande, denen bei einer zahlreichen Samilie das hohe Lehrgeld für den Unterricht eines Kindes ein kaum zu beſtreitender Aufwand geweſen wäre, fanden hier für ein ſehr mäßiges Schulgeld alles, was ſie zur Bildung ihrer Kinder wünſchen konnten.
Dieſes fortdauernde Zutrauen mehrerer achtbaren und einſichtsvollen, in der Erziehung ihrer Kinder nichts ſparenden Väter iſt der unwiderſprechlichſte Beweis von der zweckmaßigen innern Einrichtung der Anſtalt und von der in derſelben waltenden Ordnung, ohne welche keine ſo weit vorgerückten Jünglinge und Mädchen aus derſelben hervorgehen konnten, als zu jeder Seit und auch in dem letzten Halbjahre aus derſelben hervorgegangen ſind. Es iſt zugleich die triftigſte Widerlegung alles deſſen, was hie und da von Leuten, die niemals Kinder in der Schule hatten, in Beziehung auf religiöſe Bildung gegen dieſelbe geäußert wird. Viele, ihre Kinder zur wahren Gottesfurcht und Srommigheit erziehende Däter werden der Schule das Seugnis geben, daß ſie ihren Schülern und Schülerinnen in den heiligen Schriften und in den auf den⸗ ſelben gegründeten Religionslehren gründlichen Unterricht erteilt, und auf ihre Sittlichkeit ein wachſames Auge hält, wie es denn auch jedem frei ſteht, dem Unterrichte beizuwohnen und ſich von der Beſchaffenheit desſelben eine richtige Einſicht zu verſchaffen. In der Cat haben einſichtsvolle Gelehrte und Schul⸗ männer der Anſtalt immer Gerechtigkeit widerfahren laſſen und ſie als eine der beſten anerkannt. Ihr Ruf iſt weit verbreitet, und mehrere auswärtige Gemeinden ſind dadurch zur Errichtung ähnlicher Inſtitute angefeuert worden, ſo daß ihr wohltätiger Einfluß ſich bis in die Serne erſtreckt.
Wenn nun die unterzeichnete Verwaltungsbehörde, in Erwägung der ſoot⸗ wendigkeit und Gemeinnützigkeit der Schule, ſolche zu unterſtützen ſich verpflichtet hält, ſo kann ſie nicht umhin, mit Bedauern wahrzunehmen, wie das bei den Gemeindemitgliedern früherhin ſo rege Intereſſe für dieſelbe in den letzten Jahren ſich vermindert hat, und wie dadurch, zum Schaden der Geſamtheit, ihr Wirkungskreis geſchmälert wurde. Der Grund dieſer Lauigkeit kann nicht in der Schule geſucht werden. Dieſe hat in ihrem Innern keine nachteilige Ver⸗ änderung erlitten. Die Lehrer ſind noch dieſelben, und können durch längere Übung an Erfahrung und Lehrfähigkeit nur gewonnen haben; die innere Grdnung iſt durch manche zweckmäßige Vorkehrung vervollkommnet worden. Sie geht ihren Gang ſtill und geräuſchlos fort, allen leeren Glanz und täuſchenden Schimmer vermeidend, und nur das Wahre und Einfache ins Auge faſſend. Als offentliche Anſtalt iſt es unter ihrer Würde, durch Scheinkünſte anzu⸗ locken, und ſich die Gunſt des publikums zu erſchmeicheln; ſie kann und darf es nicht. Beklagenswert fürwahr iſt die Schule, wenn Eltern und Schüler


