Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Bedrängniſſe. Die Schulordnung. 49

Lehrerkonferenzen wurden nur ſelten und unregelmäßig abgehalten. Um die nötige Ordnung in ihnen zu wahren, beauftragte der Schulrat im Juli 1819 ſeinen Aktuar Dr. Bingo, die Lehrerkonferenzen anſagen zu laſſen, ſelbſt dabei zu erſcheinen und die Verfügungen des Schulrats mitzuteilen.

So hatte ſich ſchon ſeit 1816 das Bedürfnis einer Verwaltung und Lehrern ihre Sunktionen, Rechte und pflichten feſtſetzenden Schulordnung gezeigt. Heß legte im Oktober 1817 den Entwurf einer Konſtitution vor. Mitte 1819 machten die Lehrer Presburger, Neville, Bechhold, HSirndorfer, Lehmann, Stockheim und Bechhof Vorſchläge zur Schulordnung, und nun wurde vom Schulrat eine aus ſeinen tüchtigſten Mitgliedern, Pfungſt, Hiller und Slaſchin, beſtehende Kommiſſion zur Prüfung der gemachten Vorſchläge und zur Abfaſſung des Entwurfs einer Schulordnung eingeſetzt. Am 6. November 1819 erteilte das plenum des Schul⸗ rats dem Vorſchlage der Kommiſſion ſeine HSuſtimmung. Nach Begutachtung durch die Gemiſchte Kirchen⸗ und Schulkommiſſion, der ſeit der Konſtitutionsergänzungs⸗ akte von 1817 die Oberaufſicht über die Schule zuſtand, wurde der Entwurf vom Senat Anfang April 1822 genehmigt. Nachdem die Kirchen⸗ und Schul⸗ kommiſſion noch am 17. Mai nachträglich einige Anderungen vorgenommen hatte, ging die Schulordnung am 19. Juni ſeitens der Verwaltungsbehörde dem Schulrat zu. Sie wurde unter dem Titel„Geſetz und Ordnung für die Real⸗ und Volksſchule*) der Ifraelitiſchen Gemeinde“ durch den Druch veröffentlicht. Die ordentlichen Lehrer mußten bis zum Ende des Jahres ſchriftlich dieſes Grund⸗ geſetz anerkennen.

Von einigen in anderem Suſammenhange unten mitgeteilten uſätzen ab⸗ geſehen blieb dieſe Schulordnung, trotzdem wiederholt ihre Reviſion ernſtlich in Angriff genommen wurde, bis zum 1. April 1900 in Kraft; an dieſem Tage wurde ſie durch die neue revidierte Schulordnung erſetzt, zu welch letzterer am 1. April 1903 eine weitere Ergänzung in Kraft trat.

Bei all den Bedrängniſſen, welche die Schule in der Zeit nach den Be⸗ freiungskriegen zu erleiden hatte, war das Lehrerkollegium, deſſen feſter Stamm noch in die primatiſche eit zurückreichte, doch auf das engſte mit dem Intereſſe der Schule verwachſen, und ſo war faſt ausnahmslos jeder bemüht, ſeinen Unterricht fruchtbar zu machen und ſein Beſtes für die Schule zu tun.

Der Schulrat horte nicht auf, tüchtige Lehrkräfte heranzuziehen. So gewann er für den franzöſiſchen Unterricht 1815 Kéville, 1822 Descostes, 1820 für den

*) So heißt die Schule gewöhnlich in den offiziellen Aktenſtücken ſeit 1818. Auf den Programmen führt ſie dieſen Namen abwechſelnd mit„Bürger⸗ und Realſchule“, ſeit 1869 bloß Real⸗ und Volksſchule. 1854 hörte die Volksſchule auf. Trotzdem wurde erſt 1889 auf An⸗ regung des Kgl. Provinzialſchulkollegiums(Verfügung vom 10. Juli 1889) der Name der Schule in„Realſchule der Iſraelitiſchen Gemeinde(Philanthropin)“ umgeändert.

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