46 Bedrängniſſe. Die Schulordnung.
Hunächſt jagte der Krieg Lehrer und Schüler aus der Schule hinaus, das Schulhaus wurde in ein Lazarett verwandelt.
Am 17. Rovember*) erging von ſeiten der öſterreichiſchen militäriſchen Sanitätsbehörde der Befehl, das Schullokal in ein Militärhoſpital zu verwandeln; ſchon 2 Stunden nach dieſer Ankündigung erſchien ein Kommando oſterreichiſcher Soldaten und beſeitigte Tiſche und Bänke. Schüler und Schülerinnen rannten in geräuſchvollem Wirrwarr nach Hauſe. Die Himmer wurden am Tage darauf mit etwa 120 Kranken belegt. Es war ein glücklicher Hufall, daß das frühere, dem Kompoſtell gegenüberliegende Schullokal bis Ende Dezember gemietet war und noch leer ſtand. Mlan behalf ſich zunächſt in demſelben. Swar wurde das Lokal als zum Hoſpital vollig ungeeignet ſehr bald wieder geräumt, aber die Schule konnte wegen notwendiger Reparaturen erſt nach anderthalb Monaten dahin zurückkehren.
Schlimmer als dieſe vorübergehende Störung war die Wandlung der allgemeinen Verhältniſſe, Am 14. Dezember 1813 wurde Srankfurt von den allijerten Mächten als„freie Stadt“ erklärt. Srankfurt ſollte ſich nun eine „freie eigene Verfaſſung“ geben. Bei dem in der Bürgerſchaft herrſchenden Geiſt war es ſelbſtverſtändlich, daß den Juden die Rechtsgleichheit entzogen werden müſſe. Der jüdiſchen Gemeinde war ein langer Kampf für ihr Recht auferlegt, der Schulrat geriet in finanzielle Not. Eine Hahlung der von der Großherzoglichen Regierung zugeſagten ſtaatlichen Subvention von 2000 fl. jährlich erfolgte natürlich nicht. Im Jahre 1813 hatte die Schule von der Departemental⸗ kaſſe eine Subvention von 2000 fl. bezogen, die mit 1812 abgelaufene Sub⸗ ſkription war infolgedeſſen nicht erneuert worden. Auch an eine Unterſtützung von ſeiten der iſraelitiſchen Verwaltungsbehorde, die ſich durch den Regierungswechſel in die mißlichſten Verhältniſſe verſetzt ſah, war nicht zu denken. Die Srage, was etwa aus den Stiftungszinſen an die Schule zu zahlen ſei, war neuerdings wieder unentſchieden, und der geſamte Huſchuß, der von der Verwaltungsbehorde aus Stiftungszinſen der Schule zugewieſen wurde, belief ſich 1814 und 1815 auf je 600 fl., in den folgenden Jahren war er noch erheblich niedriger. Es blieb dem Schulrat alſo, da die Schulgelder bei weitem nicht ausreichten, nichts übrig, als eine neue Subſkription zu eröffnen, um die ohnedies kärglichen Lehrergehälter bezahlen zu können. Durch einen Aufruf vom 10. Oktober 1814 „An alle Sreunde und Beföoörderer des Guten“ forderte er zu Beiträgen auf 4 Jahre(1814— 1817) auf. Die Subſſtription ergab bis einſchließlich 1818 jährlich 1300— 1400 fl.**) Dadurch und durch die vorſichtige und beſonnene
*) Heß: Die Bürger⸗ und Realſchule der iſraelitiſchen Gemeinde 1857 S. 26.
**) Gebr. Bethmann und M. A. Rothſchild Söhne zahlten jährlich 100 fl.(von 1818 bis 1846 zahlten Rothſchild Söhne jährlich 250 fl. Beitrag; Jakob Rothſchild in paris und . mI. Rothſchild in Condon machten gelegentlich Geſchenke), Georg Speyer, Löb Herz Slörs⸗ heim, Gumperz J. Elliſſen je 50 fl., J. Gppenheim 40 fl., eine größere Anzahl Spender je 33 fl., 25 fl. und 20 fl.


