Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Bedrängniſſe. Die Schulordnung.. 45

IV. In der freien Stadt Frankfurt.

1. Bedrängniſſe. Die Schulordnung.

licht ohne ein Gefühl hoher Befriedigung mochten Geiſenheimer und ſeine Sreunde bei der Eroöffnung der neuen Schule im Auguſt 1813 auf ihre bisherige Cätigkeit zurückblicken. Mit der Sürſorge für einen armen Knaben hatten ſie begonnen, und nach und nach hatten ſie eine Schule organiſiert, welche nunmehr von der Staatsregierung als eine für die Geſamtheit der hieſigen iſraelitiſchen Jugend geeignete öffentliche Schule anerkannt wurde. Sie ſelbſt waren im Amte geblieben, aber ihnen waren drei Mitglieder der iſraelitiſchen Verwaltungsbehörde beigeſellt worden, die mit ihnen vereint die ſtaatlich eingeſetzte Schulverwaltungs⸗ behorde bildeten. Und um wie viel einfacher ſollte ſich fortan ihre Aufgabe geſtalten! Einſt waren ſie wegen der pädagogiſchen Aufſicht und Leitung der Schule auf das Wohlwollen einiger einſichtigen hieſigen Schulmänner angewieſen, jetzt war es die oberſte ſtaatliche Schulbehörde, welche dieſes Geſchäft übernahm, und in dieſer Behörde hatte ein iſraelitiſches Gemeindemitglied das Referat über die Schule. Sür alle Bedürfniſſe der Schule war man bisher, da die Erträgniſſe aus dem Schulgelde niemals reichten, auf die ſchwankenden Beiträge der Sub⸗ ſkribenten und ſonſtige Spenden angewieſen; jetzt erhielt man einen regelmäßigen ſtaatlichen Beitrag, die iſraelitiſche Gemeinde ſtellte ein Schullokal und die Zins⸗ erträgniſſe einiger Stiftungen zur Verfügung. Der Oberlehrer der Schule war vom Großherzog ernannt, die ordentlichen Lehrer und Lehrerinnen hatten ihre Anſtellungsdekrete von der oberſten Schulbehörde, ſie waren als Staatsdiener anerkannt.

Wohl hatten es die Vorſteher des Philanthropins in den zurückliegenden 9 ½ Jahren an Mühe und Arbeit nicht fehlen laſſen; allein ſo große Erfolge wären auch der größten Kingebung nicht erreichbar geweſen ohne die Gunſt der Heitverhältniſſe und das Wohlwollen Carl von Dalbergs und ſeiner Regierung. Auf dem Sortbeſtand des Großherzogtums Srankfurt in ſeiner damaligen Ver⸗ faſſung beruhte daher auch der Beſtand und die gedeihliche Entwickelung der Schule.

Aber ſchon in dem Moment der Eroffnung der Schule waren infolge der großen preußiſchen Siege im Auguſt 1813 die Hapoleoniſchen Staatengebilde auf das äußerſte bedroht, nach der Schlacht bei Leipzig trat der Suſammenbruch ein. Dalberg hatte ſchon am 20. September Srankfurt verlaſſen*), am 2. November 1813 beſetzten die Verbündeten die Stadt. Das Großherzogtum Srankfurt hatte zu exiſtieren aufgehort, der Schulrat ſah ſich mit der ganzen Sürſorge für die Schule auf ſich allein angewieſen.

*) Er ging nach Konſtanz, von dort nach Regensburg, wo er, ganz hingegeben der Sürſorge für ſein Bistum und den Werken der Nächſtenliebe, am 10. Sebruar 1817 ſtarb.