Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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40 Die Lehrer des jüdiſchen Philanthropins.

2. Die Lehrer des jüdiſchen Philanthropins.

In den erſten beiden Jahren, in denen die Söglinge des Philanthropins⸗ die Muſterſchule beſuchten, erhielten ſie im Philanthropin ſelbſt beſonderen Unter⸗ richt nur im Hebräiſchen und im Schreiben. Erſt am 2. Januar 1806 wurde das philanthropin als für ſich beſtehende, ſelbſtändige Schule mit 2 Klaſſen eröffnet. Die Klaſſenzahl der Knabenſchule ſtieg 1807 auf 3, 1810 auf 5, 1811 auf 6. Außer Moral, Religion und Hebräiſch wurden die Schüler in Deutſch, Sranzöſiſch, Rechnen, Geographie, laturgeſchichte, deutſchem und jüdiſchem Schönſchreiben, Heichnen und Singen unterrichtet, 1808 kam Geometrie dazu, 1809 Phyſik..

Die Vorſteher des Philanthropins waren aufs eifrigſte bemüht, die tüchtigſten Lehrkräfte zu gewinnen. So war der erſte Lehrer, der ja ausſchließlich für den Unterricht im Hebräiſchen und der Religion angeſtellt war, Meyer Lambert aus metz, ein gründlicher Kenner der hebräiſchen Sprache, wie ſich ſchon aus einem noch vorhandenen, von ihm verfaßten gedruckten Hochzeitsgedicht*) ergibt, mit dem die ſechs erſten Söglinge einen der Vorſteher bei ſeiner Vermählung im Juli 1804 begrüßten. Camberts Nachfolger, der Lehrer Tevi aus Srankfurt a. d. Oder (Oktober 1804 bis September 1806), war nach allem, was oben ſchon über ihn mitgeteilt worden iſt, ohne Sweifel ein für den hebräiſchen und deutſchen Unter⸗ richt beſonders begabter Mann. Die Anſtellung Diehls(1805 1807) war allerdings ein Mißgriff, dagegen gewann man in Slaſchin(18061814) einen auch durch ſeine literariſche Tätigkeit hervorragenden Rechenlehrer. Sür den Unterricht im Sranzöſiſchen wurde zuerſt ein geborener Sranzoſe Duchatel angeſtellt(Juni 1805 bis Ende März 1807). Sein von dem Gymnaſial⸗ direktor Matthiae empfohlener Nachfolger war Jonas Maas(von Mai 1807 bis Ende März 1814). Seit November 1812 unterrichtete auch W. Stockheim Sranzöſiſch(nebſt Deutſch und Rechnen). Sürs Heichnen wurde 1806 Karl Böhmer gewonnen, der damals ſchon als Maler ſich einen Namen gemacht hatte. Der Schreibunterricht wurde zuerſt demals guter Kalligraph damals hier bekannten Marcus Coblenz übertragen. Ihm folgte im September 1804 für das deutſche Schreiben Colliſchon, für das hebräiſche Meyer fleugaß. Colliſchon wurde zu Anfang 1806 durch den trefflichen J. Brettenheim erſetzt. Als Gehilfe des deutſchen Schreiblehrers wirkte ſeit 1810 der ehemalige Sögling Abraham Salk. Die Geſanglehrer wechſelten, von 1810 bis Mai 1813 gab J. Ch. Junk den Geſang⸗ unterricht. Seit 1809 wirkte als Lehrer des Hebräiſchen Löb Presburger, bis dahin hatte zumeiſt Heß den hebräiſchen Unterricht erteilt(vor ihm Lambert und Levi). In den beiden Lehrern C. B. Lehmann(Hanau) und Jakob Bechhold (ſeit 1809) gewann die Schule tüchtige und zuverläſſige Lehrer, die in den ver⸗

*)Dem edlen, jungen Ehepaare Kerrn Iſaak Stiebel und ſeiner würdigen Gattin Mina Stiebel, geborene Baruch, von den Söglingen des jüdiſchen Philanthropins in Srankfurt a. M., den 23. Juli 1804.(Deutſch und hebräiſch; unterſchrieben Weintraub, Cahn, Gundersheim, Salk, Kaiſer, Schuſter).