Die letzten Jahre des jüdiſchen Philanthropins. 39
der neuen Schule in den dazu eingerichteten Räumen des Kompoſtells*) eine Bekanntmachung an das publikum zu erlaſſen.
Nachdem dieſe am 28. Juli in dem hieſigen Anzeigeblatt erfolgt war, wurde die neue Schule am 13. Auguſt 1813 eroffnet.
Hur Verwaltung des Schulvermögens und zur Leitung der ökonomiſchen Angelegenheiten der Schule ſetzte der Großherzog eine aus 8 Mlitgliedern der iſraelitiſchen Gemeinde beſtehende Behorde unter dem Namen„Schulverwaltungsrat“ (auch„Schulrat“ genannt) ein. Dazu ernannte er die fünf bisherigen Vorſteher des Philanthropins(Geiſenheimer, Joſeph pfungſt, S. Slaſchin, Daniel H. Kulp, Juſtus Hiller) und die drei Mitglieder der Schulſektion bei der Verwaltungs⸗ behorde der iſraelitiſchen Gemeinde(A. B. May, E. S. Halle und NNI. Gerothwohl). Am 17. Auguſt wurden dieſe 8 Männer in das Schullokal im Kompoſtell zu⸗ ſammenberufen und ihnen durch den Geheimrat von Itzſtein ihre Ernennung eröffnet. Am Cage darauf organiſierte ſich der Schulrat in zwei Sektionen, der Stiftungsſektion und der Gkonomieſektion, mit je 4 Mitgliedern. Der Schulrat ernannte Geiſenheimer zu ſeinem Kaſſierer, Halle zu deſſen Adjunkten, pfungſt zum Sekretär, Killer zu deſſen Adjunkten, Slaſchin zum Kontrolleur(Gegenſchreiber) und Gerothwohl zu deſſen Adjunkten.
Der Schulverwaltungsrat ſtand unmittelbar unter der Großherzoglichen Ober⸗Schul⸗ und Studieninſpektion. Das iſraelitiſche Mitglied dieſer Behörde, Dr. Oppenheim, hatte das Referat über die Schule.
Der Schulrat erhielt ein Amtsſiegel mit dem Großherzoglichen Wappen.
Heß wurde zum Oberlehrer der neuen Schule ernannt und ihm„die ſpezielle Ceitung der päadagogiſchen und disziplinaren Teile der Schule“ über⸗ tragen. Die ſtändigen Lehrer, darunter auch Srl. Slersheim, wurden als Staats⸗ diener anerkannt und erhielten ſtaatliche Anſtellungsdekrete. Zu den vorhandenen ordentlichen Lehrern Heß, Cehmann, Bechhold, Presburger und Stockheim traten mit Eröffnung der neuen Schule noch hinzu Nathan Zirndorfer, der, was damals bei den Juden noch ſelten war, ſich regelmäßig auf einem Lehrerſeminar füͤr das Lehramt vorbereitet und in München eine Privatſchule geleitet hatte, und Joſeph Johlſon, der damals in Kreuznach an der Sekundärſchule und in Privathäuſern unterrichtet und dem Oberſchulkurator das Manuſſrript eines von ihm verfaßten Lehrbuches der moſaiſchen Religion zugeſchickt hatte.
s war ein anſehnliches Kollegium junger, aufſtrebender Lehrer unter der Leitung eines dreißigjährigen und doch im Amte bereits erprobten, geiſtvollen, mit anregender Kraft begabten Mannes. Das Beſtehen der Schule ſchien für
*) Üüber die Schwierigkeiten, die ſich dem Umbau entgegengeſtellten, und die Verdienſte Itzſteins um das Suſtandekommen des Baues vergleiche Heß, Die Bürger⸗ und Realſchule 1857 S. 23.


