Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Gründung der Mädſchenſchule. 33

thropins auf 30 bis 40 beſchränkt oder das Schulgeld auf 20 fl., wie in der Muſterſchule, feſtgeſetzt werden. Dieſer Einſpruch blieb nicht ohne Wirkung. Die Sürſtliche General⸗Kommiſſion geſtattete unterm 4. Dezember 1809 die Errichtung der Mädchenſchule und beſtimmte, daß die neue Schule auch unter der Aufſicht der Oberſchulkuratel ſtehen ſollte, daß die Mädchenſchule ebenſo wie die Knabenſchule des Philanthropins bei der Eröffnung der Carlsſchule in dieſer aufzugehen habe, daß auch einige arme Mädchen unentgeltlich aufgenommen werden müßten, und daß die Hahl der Zoglinge der Mädchenſchule höchſtens 40 betragen dürfe. Am 22. Dezember 1809 wurde die bevorſtehende Eröffnung im Intelligenzblatt angezeigt, und am 21. Januar 1810 wurde die Schule mit 36 Schülerinnen in 3 Klaſſen eroöffnet. Hu Ende dieſes Jahres hatte ſie(entgegen der inzwiſchen anſcheinend aufgehobenen Beſchränkung) ſchon 61 Schülerinnen. Am 31. Januar 1811 fand die erſte öffentliche Prüfung der Mädchenſchule mit Prämienverteilung ſtatt, zu welcher wie zu der vorangegangenen zweitägigen Prüfung der Knabenſchule Heß mit einem ProgrammDarſtellung der Mädchen⸗ ſchule des jüdiſchen Philanthropins einlud.

Bei Eroffnung der Mädchenſchule wurden die Mädchen weſentlich nach dem Alter auf die 3 Klaſſen(4. bis 2., eine erſte ſollte ſpäter nach oben die Schule abſchließen) verteilt. Die meiſten konnten beim Eintritt deutſch, einige auch franzöſiſch leſen, doch war auch dieſe Kenntnis vielfach vernachläſſigt und fehlerhaft; von allen Elementar⸗ begriffen in jeder inſicht waren ſie leer⸗-). Sür die dritte(zweitunterſte) Klaſſe war als Aufnahmebedingung Sertigkeit im franzöſiſchen und deutſchen Leſen aufgeſtellt worden, doch mußte auch von dieſer Bedingung mit Rückſicht auf das Alter der Aufzunehmenden mehrfach abgeſehen werden. Die Unterrichtsfächer der Mädchenſchule waren Leſen, Rechnen, Verſtandesübungen, deutſche und franzöſiſche Sprache, Religion und Moral, Hebräiſch, Geſang, Heichnen und vor allem auch weibliche Arbeiten(Nähen, Stricken und Sticken), denen täglich 2 bis 3 Stunden gewidmet waren. In der unterſten, vierten Klaſſe lehrte Sräulein Sleſch Leſen und Rechnen, in der dritten Klaſſe gab Sräulein Slersheim Leſen und Rechnen, Lehmann Deutſch und aturgeſchichte. Das Rechnen in der vorläufig oberſten Klaſſe erteilte Heß; auch er mußte mit den Elementarbegriffen anfangen, ging aber dann ſchnell vorwärts und erzielte zumal im Kopfrechnen gute Erfolge.

III. Im Großherzogtum Frankfurt.

1. Die letzten Jahre des jüdiſchen Philanthropins.

Der Primatiſche Staat, in dem das Philanthropin, unterſtützt und gefördert von dem menſchenfreundlichen Sürſten, ſich gedeihlich entwickelt hatte, war in⸗

*) S. Keß, Darſtellung der Mädchenſchule. Einladungsſchrift 1811, S. 16.