32 Gründung der Mädchenſchule.
„Aufgefordert von mehreren Samilienvätern und Sreunden des Guten, und beſeelt von dem Wunſche, auch für das weibliche Geſchlecht eine gemein⸗ nützige Bildungsanſtalt zu gründen, haben Unterzeichnete beſchloſſen, eine Cöchter⸗ ſchule mit der Knabenſchule zu verbinden.
Dieſelbe wird aus 3 Klaſſen beſtehen, die einen zweckmäßigen Unterricht unter der Leitung der Herren Inſpektoren unſerer Anſtalt, die das Vertrauen des publikums bereits beſitzen, erhalten werden. Die Lehrer des Philanthropins, welche dem publikum bereits rühmlichſt bekannt ſind, werden an der Töchter⸗ ſchule ebenfalls arbeiten, und was das weibliche perſonal betrifft, ſo können Unterzeichnete mit Suverſicht verſichern, daß die Wahl, welche ſie getroffen haben, gewiß den allgemeinen Beifall der Kenner erhalten werde.
Übrigens wird der ausführliche plan der Anſtalt vor Eröffnung derſelben durch den Druck bekannt gemacht werden.
Sobald die zur Deckung der Koſten nötige Anzahl Söglinge ſich gemeldet haben, wird man zur inneren Einrichtung der Anſtalt ſchreiten, um ſolche mit dem 1. Januar 1810 zu eröffnen.
Das Schulgeld iſt folgendermaßen feſtgeſetzt:
in der 3. Klaſſe fl. 30 jährlich, „„ 2.„„ 50„
I 1. FI 70 Man ſubſkribiert bei dem Herrn Dr. Molitor und Herrn Heß, Inſpektoren am jüdiſchen Philanthropin, ſowie bei Unterzeichneten. Die Vorſteher und Deputierten des jüdiſchen Philanthropins.“
Nachdem eine Anzahl Eltern ihre Kinder für die Töchterſchule angemeldet hatten, veröffentlichte die Direktion des Philanthropins eine kurze Darſtellung dieſer Erziehungsanſtalt. Danach ſollte die Schule den Sweck haben,„auf alles hinzuarbeiten, was zur weiblichen Beſtimmung gehört, künftige Mütter und Hauswirtinnen zu bilden, ein Gegenſtand, der gewiß eben ſo ſehr die Sorgfalt und Aufmerkſamkeit verdient, als die Erziehung des männlichen Teils, da von der richtigen Leitung des weiblichen Geſchlechtes offenbar der größte Teil des häuslichen Glückes und der Segen einer jeden Erziehung abhängt. Eine einfache bürgerliche Bildung wird daher unſer einziges und höchſtes Beſtreben ſein, den Kindern über jene in den weiblichen Kreis gehörigen Gegenſtände richtige Begriffe und Kenntniſſe beizubringen, ſie in allen Arten weiblicher Arbeiten zu unter⸗ richten, beſonders aber ihren moraliſch⸗religiöſen Sinn zu entwickeln, ſie ſoviel wie möglich an die Tugenden der Reinlichkeit, Grdnung und Sparſamkeit zu gewöhnen und überhaupt mit den pflichten bekannt zu machen, die ihnen ihre Beſtimmung auferlegt.“
Bei jeder neuen Schulgründung erhoben in jenen Tagen die Inhaber der ſchon beſtehenden Privatſchulen Einſpruch, weil ſie eine Schädigung ihres eigenen Unternehmens befürchteten. Hier war es Jakob Sachs, der in einer Bittſchrift an Itzſtein verlangte, es ſolle entweder die Hahl der Schülerinnen des Philan⸗


