Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Schulſektion und die Carlsſchule. 31

Der Vorſtand des Philanthropins hatte mit dieſer Tatſache zu rechnen; er ließ ſich dadurch jedoch in der Sürſorge für ſeine Schule nicht beirren, erachtete es vielmehr für ſeine pflicht, dem in der iſraelitiſchen Gemeinde immer ſtärker bervortretenden Bildungsbedürfniſſe in jeder Weiſe entgegenzukommen.

4. Gründung der Wädchenſchule.

Im Ghetto gab es keine Schulen für Mädchen, gebildete Eltern ſorgten für zeitgemäße Ausbildung ihrer Töchter durch Privatunterricht oder Gouvernanten. Es gab hier in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts eine verhältnismäßig nicht geringe Hahl gebildeter jüdiſcher Srauen und Mlädchen. Im Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Inſtitute der Srau Auberſon und Srau Bunſen von jüdiſchen INädchen beſucht*). Unter den 30 Maädchen, welche in der Seit von April 1803 bis Oktober 1804 die Muſterſchule beſuchten, befanden ſich 7 jüdiſche Schülerinnen**)(alſo nahezu ein Viertel der Geſamtzahl), ebenſo hatte das Jakob Sachsſche Inſtitut ſeit 1806 eine gut beſuchte Mädchenabteilung. Es war daher ſelbſtverſtändlich, daß die von der iſrael. Schulſektion ſeit dem Jahre 1808 geplante allgemeine Schule für die iſrael. Gemeinde(Carlsſchule) in gleicher Wweiſe für äadchen wie für Knaben beſtimmt war. Da lag es doch nahe, daß in dem ſich immer vergroößernden Kreiſe der Eltern, welche ihre Knaben dem Philanthropin zuführten, der Wunſch entſtand, dorthin auch gleichwie es in der Muſterſchule geſchah ihre Cochter ſchicken zu können. Dieſer Wunſch fand in einer im Laufe des Jahres 1809 von mehreren Samilienvätern an den Vorſtand des Philanthropins gerichteten Eingabe Ausdruck. Das war den Vorſtehern aus mehr als einem Grunde willkommen. Durften ſie darin doch zunächſt einen großen Erfolg ihrer bisherigen Kulturbeſtrebungen erblicken! Eine Erweiterung des pPhilanthropins bot ihnen überdies die Moglichkeit, die vorhandenen Lehrer durch vermehrte Beſchäftigung beſſer zu beſolden und neue tüchtige Lehrkräfte heranzuziehen. Sie zögerten daher nicht und faßten im Oktober 1809 den Beſchluß, eine Mädchenabteilung mit dem Philanthropin zu verbinden. Um raſch zum Siele zu kommen, betraten ſie zunächſt den Weg mündlicher Verhandlung mit der vorgeſetzten Behörde. Geiſenheimer und Molitor begaben ſich zu dem Sürſtlichen Kommiſſar für die jüdiſche Gemeinde, Herrn von Itzſtein, trugen ihm den Sachverhalt vor und teilten ihm den Beſchluß des Vorſtandes mit. Itzſtein billigte das Unternehmen.

Daraufhin erfolgte nachſtehende, von Heß verfaßte, gedruckte Bekanntmachung des jüdiſchen Philanthropins:

*) Ludwig Geiger, Erteilung des Bürgerrechts etc. Zeitſchrift für Geſchichte der Juden in Deutſchland V, 71. **) S. Eiſelen, Geſchichte des deutſchen Schulweſens in Srankfurt a. M. 1880, S. 64.