30 Die Schulſektion und die Carlsſchule.
Anſtrengung aufzubringen vermöchte, bis itzo noch nicht in Ausführung gebracht werden konnte, ſo haben Wir Uns gnädigſt bewogen gefunden, zur Beförderung dieſer allgemeinen Lehranſtalt das Uns angehorige Gebäude zum Kompoſtell genannt der Judenſchaft zum Beſten eines Schulgebäudes zu überlaſſen“*).
Sofort ging Jakob Süßkind Stern ans Werk, um auf dem Grund und Boden des Kompoſtells und eventuell mit Benutzung der dortigen Gebäude durch den Baurat Heß ein Schulhaus für 600 Kinder und ein Gemeindehaus zu ſchaffen. Das Schulhaus ſollte enthalten: 20 geräumige Unterrichtszimmer, 2 Simmer für Seichenunterricht, je eines für den Schreibunterricht und zum Aufbewahren der Schulutenſilien, 4 große Säle, einen für die Konferenzen, der zugleich Hor⸗ ſaal ſein ſollte, einen für die Bibliothek, einen für die Aufbewahrung der mathematiſchen, phyſikaliſchen und chemiſchen Apparate und einen für Experimente und Vorleſungen, eine Waſch⸗ und Speiſeküche(zum Kochunterricht) für die Mädchen. Im dritten Stock des Schulgebäudes ſollten Wohnungen für den pädagogiſchen Direktor, den Direktor der techniſchen und mathematiſchen Klaſſe und die Ober⸗Gouvernante ſein. Die Schulräume der Knaben und Mädchen ſollten vollſtändig getrennt ſein.
Mittel zu einem ſolchen Schulbau waren nicht vorhanden. Ihre Darbietung war weder von der Staatsregierung noch von der iſraelitiſchen Gemeinde zu er⸗ möglichen. Da Stern aber die Errichtung der Schule für eine unabweisliche Kulturaufgabe hielt, machte er dem Suürſtlichen Kommiſſar im September 1810 den Vorſchlag, die 35.000 fl., welche nach dem Voranſchlage notig waren, durch eine Swangsanleihe bei den Mlitgliedern der jüdiſchen Gemeinde zu beſchaffen, dergeſtalt, daß jedes Gemeindemitglied, welches mit mindeſtens 1000 fl. Vermögen eingeſchätzt war, gezwungen ſein ſollte, ½% von ſeinem Schatzungskapital zum Schulbau beizutragen**). Hoch war dieſes Projekt nicht zu gründlicher Erwägung gelangt, als Jakob Süßkind Stern am 11. Sebruar 1811 ſtarb. Die Swangs⸗ anleihe kam nicht zur Durchführung, der Bau eines Schulhauſes in dem vor⸗ geſchlagenen Umfange unterblieb, aber die Verwirklichung des Planes einer allge⸗ meinen Schule(Carlsſchule) behielt man immer noch im Auge.
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*) Die iſrael. Gemeinde hatte dafür in ſehr bequemen Sriſten fl. 50,000 zu zahlen.
**) Stern machte 3 Klaſſen von Schatzungsträgern: 1) Ceute, die mit 1000— 10,00o fl. eingeſchätzt waren, 2) ſolche die 10,000— 50,000 fl. verſchätzten und 3) höher Eingeſchätzte. Die 3. Klaſſe ſollte ihren Vorſchuß im Januar 1811, die beiden anderen im Mai bezw. September 1811 leiſten. Es ſollten den Darleihern 3%ige Obligationen von der Gemeinde gegeben werden. Die Schuld ſollte zum Teil von dem Erlös des zu verkaufenden überſchüſſigen Cerrains im Kompoſtell abbezahlt werden, hiervon erwartete man 20,000 fl. Ertrag. Die übrigen 15,000 fl. ſollten in S(alle fünf Jahre fälligen) Raten von je 3000 fl. bezahlt werden. Die vorläufig für dieſe 35,000 fl. und die 50,000 fl. Kaufpreis des Kompoſtells jährlich zu ent⸗ richtenden 2550 fl. Zinſen ſollten aus dem Ertrag verſchiedener bereits vermieteter oder noch zu vermietender Gewölbe etc.(750 fl.), der Miete des zu errichtenden Gemeindehauſes(300 fl.) und der Miete der Carlsſchule(1500 fl.) bezahlt werden.


