Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Schulſektion und die Carlsſchule. 29

welche er nicht in ſeiner Fandlung anzuſtellen weiß, oder wo er Mangel an Kandelsgeiſt wahrnimmt, in dieſer Schule in irgend einem induſtrioſen Geſchäfte unterrichten zu laſſen, und hierdurch ſein und das künftige Wohl der Kinder ſichern.

Um die ſo geplante allgemeine Schule für die iſraelitiſche Gemeinde ins Leben zu rufen, war zunächſt zweierlei erforderlich: ein ausreichender Schul⸗ fonds und ein großes Schulhaus.

Was zunächſt den Schulfonds angeht, ſo ging der Sürſt Primas zur Gründung eines ſolchen mit guten Beiſpiele voran; er wies dieſem Sonds bei jedem ſich darbietenden Anlaß Gelder zu. Durch Vverfügung vom 22. Oktober 1808 beſtimmte er den ihm zugefallenen Greißiſchen Nachlaß zu gleichen Teilen den Lehranſtalten der 4 Religionen(der katholiſchen, lutheriſchen, refor⸗ mierten und jüdiſchen); es wurden daraus der jüdiſchen Schulſektion für die Carlsſchule zirka fl. 400 überwieſen. Aus einem Rechnungsfehler des Bauamts betr. den Erlos aus den Brandſtätten im Jahre 1799 ergab ſich ein Reſtbeſtand von fl. 779.42. Auch dieſe wurden der Schulſektion zu gleichem Sweck überwieſen, ebenſo erhielt ſie im Juli 1810 gleich den Schulen der andern 3 Religionsgemeindenden vierten Teil des Erlöſes aus dem Curm in der Mainzergaſſe mit fl. 46.21. Von dem Sinanzrat Iſrael Jacobſon in Braunſchweig empfing die Schulſektion durch Jakob Süßkind Stern den Betrag von fl. 200 für eine Schulbibliothek der Carlsſchule. Den bedeutendſten Huſchuß für den Schulfonds erwartete man aber aus dem Sinsertrag der bei der hieſigen Gemeinde für Schul⸗ und Unterrichtszwecke vorhandenen Stiftungen. Der Sürſt Primas beauftragte die Schulſekttion der iſraelitiſchen Gemeinde mit einer ſorgfältigen Unterſuchung der Beſtimmungen dieſer Stiftungen, um feſtzuſtellen, welche Stiftungserträgniſſe ohne Verletzung ihrer urſprünglichen Beſtimmung für die neue Gemeindeſchule verwendet werden konnten. Die Schulſektion entledigte ſich dieſes Auftrages mit großem Eifer und Sleiß, aber der Geſamtbetrag der auf Grund des eingereichten Stiftungsverzeichniſſes und daran geknüpfter Vor⸗ ſchläge durch Verfügungen der Sürſtlichen General⸗Kommiſſion vom 8. Juli und 2. Dezember 1809 dem Schulfonds in den Jahren 1808 bis einſchließlich 1811 zugewieſenen 5inſen belief ſich auf durchſchnittlich fl. 600 jäahrlich, und das geſamte Vermgen des Schulfonds, d. h. die erwähnten Geſchenke und Finſen, betrug am 29. Oktober 1811 fl. 4489.

Das war nun freilich für ein ſo großes Unternehmen eine geringe Summe. Bedeutungsvoller war die Sürſorge des inzwiſchen zum Groß⸗ herzog von Srankfurt erhobenen Sürſten Primas für ein Schulhaus. Am 9. April 1810 verfügte er:Nachdem Wir dem Erziehungsweſen Unſerer Untertanen iſraelitiſcher Religion zu Srankfurt unſere beſondere landesherrliche Aufmerkſamkeit und Sürſorge gewidmet und im Gefolge derſelben eine öffent⸗ liche allgemeine Schule angeordnet haben, dieſe aber wegen Mangel eines nach der Große der iſraelitiſchen Jugend hiezu nötigen Lokals, welches die mit Laſten beſchwerte Gemeindekaſſe der Judenſchaft nur mit der außerſten