Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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26 Die Schulſektion und die Carlsſchule.

Die Schulſektion, deren geiſtiger Sührer Jakob Süßkind Stern war, unter⸗ ließ nicht, einen Unterrichtsplan für dieſe allgemeine Schule auszuarbeiten. Der weſentliche Inhalt dieſes Planes iſt folgender:

Die allgemeine Schule ſollte 5 Klaſſen mit je 2 Jahreskurſen haben, welche die Kinder vom vierten() bis zum 15. Jahre durchzumachen hatten. Die Kinder der erſten und zweiten Klaſſe, d. h. die Kinder von 4 bis 6 und von 6 bis 8 Jahren, ſollten täglich von 8 bis 12 und von 2 bis 5 Uhr unterrichtet werden, in der dritten Klaſſe ſollte der Unterricht bis 6, in der vierten und fünften Klaſſe, für Kinder vom 11. bis zum 15. Jahre, bis 7 Uhr abends ſich ausdehnen. Der erſte Unterricht im Leſen, Schreiben, Rechnen, Deutſchen, Hebräiſchen und Franzöſiſchen ſollte in den 3 unterſten Klaſſen(für Kinder vom 4. bis zum 10. Jahre) derſelbe ſein, von da an ſollte der Unterricht ſich aber je nach dem künftigen Berufe ſcheiden. Die künftigen Kaufleute ſollten vom 11. Jahre an außer dem Sranzöſiſchen das Engliſche, Geſchichte, Chronologie und politiſche Geographie, vom 12. Jahre an das Italieniſche erlernen, außerdem die Geſchichte der Handlung, Buchhalterei, Naturlehre und Chemie. Dagegen ſollten die künftigen Handwerker vom 11. Jahre an Geometrie, Haturlehre, Chemie, Cechnologie, techniſches und architektoniſches Heichnen und vom 12. Jahre an praktiſche Geometrie und Maſchinenlehre lernen und eine Vorleſung über Sabrik⸗ und Kunſtfleiß hören. Die Mädchen, für die eine beſondere Abteilung mit gleicher Kurſusdauer eingerichtet werden ſollte, ſollten deutſch und franzöſiſch ſprechen und ſchreiben, auch rechnen lernen, ferner ſtricken, nähen, Hadel⸗ und Kunſt⸗ zeichnen, Spitzenflicken, ſticken, ſpinnen, waſchen, bügeln und kochen. Von der zarteſten Kindheit an ſollte endlichauf das ſittliche und moraliſche Gefühl welches die allgutige Vorſehung, gleichſam als unſern treueſten Ratgeber bei unſerm Tun und Laſſen, mit dem Weſen unſerer Natur ſo innig verbunden hat hingewirkt werden, ſo daß es nicht fehlen kann, daß hierdurch Religioſität befördert und die Kinder zum ferneren Religionsunterricht vorbereitet werden. Vom 8. Jahre an ſollteder eigentliche Religionsunterricht im zuſammenhängenden Vortrage beginnen und bis zum vollendeten Schulkurſus fortgeſetzt werden. Die Knaben ſollten überdies auch durch alle Klaſſen, vom 9. bis zum 15. Jahre, in der hebräiſchen Sprache unterrichtet werden,da die meiſten unſerer Religions⸗ ſchriften bisher in dieſer Sprache geſchrieben worden und die Kenntnis derſelben ſo weſentlich mit unſerer Religion verbunden iſt.

Durch eine nach dieſem Plane eingerichtete Schule hoffte man,die Knaben und Mädchen nach ihrem Berufe und ihren Beſtimmungen heranzubilden, und zwar die Knaben als Kaufleute, Handwerker, Sabrikanten und Seldbauer, die Mädchen als künftige Mütter und natürliche Erzieherinnen ihrer Kinder.

Die Schulſektion überreichte dieſen plan der Sürſtlichen Generalkommiſſion, bat um deſſen Genehmigung und 1) um die Erlaubnis, die Schule Carlsſchule nennen zu dürfen und 2) um freie Ausübung alles in dieſer Schule Erlernten für die Höglinge derſelben. Stern war ſehr befriedigt, ſeinen Traum einer allgemeinen Schule, den er ſchon vor 9 Jahren gehegt hatte, der Verwirklichung nahe zu