Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Schulſektion und die Carlsſchule. 25

Der neue Gemeindevorſtand konſtituierte ſich am 8. Mai 1808 und bildete nach der in der Stättigkeit enthaltenen Beſtimmung fur die einzelnen Geſchäfts⸗ zweige 4 Sektionen. In die Schul⸗ Stipendien⸗ und Wohltätigkeitsſektion wurden Jakob Süßkind Stern, Joſeph Pfungſt(der zur Seit auch zu den Vorſtehern des Philanthropins gehorte) und Lazarus Herz Getz gewählt.

B. Die Tätigkeit der Schulſektion. plan einer allgemeinen Schule für die iſraelitiſche Gemeinde. Schulfonds. Schulhaus.

Nach den Beſtimmungen der Stättigkeit ſolltefür den erſten Unterricht eine allgemeine deutſche Trivialſchule errichtet werden,in welcher neben dem erſten Religionsunterricht das deutſch Ceſen, Schreiben und Rechnen gelehrt wird (§ 21).Sür Kinder reicher oder angeſehener Eltern folgt hierauf eine Bildungs⸗ anſtalt für höhere Kenntniſſe, z. B. Geſchichte, Erdbeſchreibung, Naturgeſchichte und Hlaturlehre. In beiden wird, wenigſtens bei den höhern Klaſſen, die Abteilung in der Schule für Knaben und Mädchen gemacht(§ 22).Riit beiden wird eine Arbeits⸗ oder Induſtrieſchule ſowohl für Knaben als Mädchen ver⸗ bunden, für erſtere insbeſondere werden gymnaſtiſche Übungen angeordnet(§ 23).

Der Unterricht in den Schulen geſchieht ganz in deutſcher Sprache und nach der von der Schulkuratel vorgeſchriebenen oder genehmigten Methode und Schulbüchern. Die Lehrer werden auf den Vorſchlag des Gemeindevorſtandes von derſelben geprüft und angenommen. Ihre Belohnung wird von dem Gemeinde⸗ vorſtande beſtimmt. Alle halbe Jahre werden öffentliche Schulprüfungen angeſtellt(§ 24).

Über einen auszumittelnden Schulfonds und deſſen Zuflüſſe hat der jüdiſche Gemeindevorſtand mit dem Sürſtlichen Kommiſſär der Schulkuratel Vorſchläge zu machen und dieſen Gegenſtand mit derſelben zu regulieren. Es ſind hierzu die bei der jüdiſchen Gemeinde ſchon vorhandenen Stiftungen mit zu verwenden(§ 26).

Die Schulſektion erhielt den Auftrag, einen Bericht über die zur Heit hier beſtehenden jüdiſchen Schulanſtalten einzufordern, darüber Bericht zu erſtatten und gleichzeitig einen Plan zur Verbeſſerung derſelben einzureichen. Demgemäß forderte und erhielt ſie eine tabellariſche Darſtellung der Maas'ſchen, der J. P. Leviſchen Schule und des Philanthropins. Nur Jakob Sachs entzog ſich der Aufgabe, veröffentliche aber in der Sorm einer Einladungsſchrift zur öffentlichen Prüfung im Juni 1808 eine mit einer Zuſchrift an den Sürſten Primas eingeleiteteNachricht über die von ihm geleitete Bildungsanſtalt, welche damals von 80 Söglingen (Knaben und Mädchen) beſucht wurde. ſlach Prüfung der Verhältniſſe dieſer vier Anſtalten kam die Schulſektion zu der Überzeugung, daß den Mängeln der bisherigen Schulen nur abzuhelfen ſei durch eineallgemeine Schule für die jüdiſche Gemeinde, in welcher Knaben und Mädchen in geſonderten Abteilungen unterrichtet werden, und wo alle Lehrer nach einem feſtgeſetzten Plane arbeiten.