Aufsatz 
Geschichte der Realschule der israelitischen Gemeinde (Philanthropin) zu Frankfurt am Main 1804-1904. Von Direktor a.D. Dr. Hermann Baerwald und Dir. Salo Adler
Entstehung
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Die Stättigkeit von 1807. Jüdiſche Kandwerker. 23

Handwerk zu erwecken. In den offentlichen Blättern wurden im Juni 1808 Eltern, welche ihre dazu geeigneten Kinder ein Handwerk lernen laſſen wollten, aufgefordert dieſelben anzumelden. Wie ſehr dieſes alles Geiſenheimer am Herzen lag, zeigt die folgende Stelle eines am 22. Juli 1808 an ſeine Eltern gerichteten Briefes:Nun lieber Vater! habe ich ſeit 8Tagen wieder etwas ins Werk geſetzt, das mir viel Vergnügen macht. Ich habe nämlich Geld geſammelt, um die armen Kinder aus unſerer Schule Handwerke lernen zu laſſen und habe ſchon über 1200 fl. beiſammen. Sechs Kinder ſind ſchon folgend placiert: 1 Bender (d. i. Saßbinder oder Küfer), 1 Schuhmacher, 1 Bäcker, 1 Schreiner, 1 Schneider; einer wird Apotheker und kommt nach Mainz bei einem Apotheker, der ein Gutfreund von mir iſt. Vermutlich werde ich nächſte Woche nach Mainz gehen deswegen. Da wir nun in unſerer Schule keine große Jungen mehr haben, die anderen alle noch zu klein ſind, ſo nehmen wir auch andere arme Kinder. Dies hat jetzt dadurch ſo überhand genommen, daß die reichſten Leute ihre Kinder Handwerker lernen laſſen. Müßt Ihr linke Rheinuferer Euch nicht ſchämen? Schon 12 Jahre habt Ihr die Erlaubnis und noch hat ſie keiner benutzt! Lieber bater!l laſſen Sie unſern Bruder Raphael ein Handwerk lernen! laſſen Sie ihn ein Bender werden, ich will das Lehrgeld zahlen, und wenn es auch 200 fl. koſtet, und wenn er aus⸗ gelernt hat und gehet in die Sremde, ſo gebe ich ihm abermals ſo viel; ich bitte Sie, tun Sie das. Grüßen Sie mir etc. Ihr ergebenſter Sohn S. G.

In der Einladungsſchrift vom 27. und 28. Dezember 1809 konnte gemeldet werden, daß mehrere 5öglinge, die bei verſchiedenen Handwerkern in die Lehre gekommen waren, von ihren lleiſtern das beſte Lob erhalten hatten. Es heißt dann dort weiter:Mit großtem Vergnügen bemerken wir, daß der Eifer und die Liebe für die Erlernung der Küͤnſte und Handwerke unter unſern Höglingen immer allgemeiner wird und gewiß ſehr wenige von den Unbemittelten einen anderen Stand ergreifen werden. Wenn es für jeden erfreulich ſein muß .... eine Klaſſe von Mlenſchen, denen ſonſt das härteſte und ſchmählichſte Los zu teil geworden wäre, einer edlern Beſtimmung heranreifen zu ſehen, ſo fällt zunächſt der Dank auf denjenigen, den wir als Urheber dieſer humanen Frucht verehren, ſowie auf alle edle Unterſtützer des Philanthropins, durch deren tätige Beihilfe die gute Sache entſtanden und ſoweit gediehen iſt.

Hur Prüfung Ende 1808 wurden zwei Einladungsſchriften verteilt, die eine von MolitorUÜber den Geiſt des Sittlichen in der Erziehung, die andere von KeßEinige Worte über den Unterricht in der Moral und Religion beſonders in Hinſicht auf das jüdiſche Philanthropin: gehaltvolle Abhandlungen, wohl geeignet bildend auf die Schulgemeinde zu wirken. Bei der Prüfung Ende 1809 waren außer der Schulkuratel auch die Herren von Bethmann, wüſtenfeld, Gruner, Matthiae, mehrere Pfarrer und Lehrer anweſend.Von den hohen Anweſenden, berichtet das Protokollwurden den 5glingen mehr als einmal Aufgaben gegeben, die ſie fehlerfréi löſten. Vogt verteilte die Prämien. Die Srequenz der Schule hatte ſich in den letzten beiden Jahren nahezu verdoppelt, es waren 60 Schüler in