Gründung des philanthropins. 15
geſagten Prüfung gefüllt. Diehl und Levi hielten Anſprachen, zum erſten Male wurde auch Sranzöoſiſch examiniert, und ein Knabe hielt eine von Duchatel verfaßte franzoſiſche Anſprache. Den Herren vom Konſiſtorium wurde der Lehrplan überreicht, Günderrode und Hufnagel vollzogen die Ausloſung der aufzunehmenden zwei Hoglinge, und am zweiten Prüfungstag überreichte der Senior Hufnagel, der unermüdlich an beiden Tagen bis zum Schluß ausharrte, den beiden beſten Schülern(Sulda und Heidelberg) mit einer ergreifenden Anſprache prämien. Die Befriedigung war allgemein. Am darauffolgenden Sonntag wurde wie im vorigen Jahr den 5oglingen„ein Schmaus“ bereitet, was fortan nach jeder Prüfung geſchah.
Bei der nach der Reviſion und Genehmigung der Jahresrechnung vorſchrifts⸗ mäßigen ſleuwahl des Vorſtandes wurde von der betreffenden Kommiſſion eine Neuerung angeordnet: Die Hahl der Vorſtandsmitglieder wurde wegen der zu⸗ nehmenden Geſchäfte auf 5 erhöht und die Amtsdauer der Gewählten auf 2 Jahre beſtimmt. Geiſenheimer und Kulp wurden wiedergewählt, drei andere Gemeinde⸗ mitglieder, Lazarus Herz Schloß, Gabriel Lipmann Worms und Iſaak Wolf Goldſchmidt, traten durch ſleuwahl hinzu. Außerdem wurde eine„Schul⸗ kommiſſion“ gewählt, beſtehend aus dem Konrektor Moſche, den Doktoren Gold⸗ ſchmidt und Oppenheim, Slaſchin und abwechſelnd aus den Vorſtandsmitgliedern Geiſenheimer und Kulp. Den Sitzungen dieſer Kommiſſion ſollten auch andere Vorſteher oder Deputierte beiwohnen können, jedoch ohne Stimmberechtigung. An die Stelle Moſches*), der im Srühjahr 1806 einem Rufe als Direktor der St. Katharinenſchule in Cübeck folgte, und den man mit dem lebhafteſten Be⸗ dauern ſcheiden ſah, wurde ſein Amtsnachfolger Matthiae, der ſtets bereit⸗ willige pädagogiſche Berater der Vorſteher. Er erſchien wiederholt im Philan⸗ thropin, um Privatprüfungen abzuhalten, er war es, der nach dem Abgange des franzöſiſchen Sprachmeiſters Duchatel nach vorangegangener Prüfung den Lehrer Jonas Maas zu deſſen Nachfolger empfahl.
Levi, der viel zum Proſperieren der Anſtalt beigetragen hatte, jetzt aber ſelbſt eine Schule gründen wollte, ſchied Ende September aus. An ſeine Stelle trat Oktober 1806 Michael Heß, in dem, wie ſich bald zeigte, das Philanthropin den berufenen, führenden Pädagogen erhielt. Überſah man das in den zwei Jahren ſeit Januar 1804 Erreichte, ſo durfte man zufrieden ſein. Weite Kreiſe der iſraelitiſchen Gemeinde hatten opferfreudig die Jlittel zur Gründung und Erhaltung des Philanthropins dargeboten. Die junge Anſtalt hatte raſch Wurzel gefaßt. In der Stadt, in der die Stättigkeit von 1616 noch Geſetzeskraft hatte**), in der die Juden weder in der Stadtallee noch in den Promenaden ſich ſehen
*) Über ihn Heinrich Kunhardt, Darſtellung des Cebens und Wirkens des M. Chr. J. W. Moſche. Cübeck 1817.
**) HNoch am 12. März 1806 wurde dieſe Stättigkeit feierlich, Geſetz und Kerkommen gemäß, in der Synagoge durch den Ratſchreiber verleſen.(Schnapper⸗Arndt in der Seitſchrift für Geſchichte der Juden in Deutſchland von Cudwig Geiger IV, 204.)


