14 Gründung des Philanthropins.
von der Muſterſchule unabhängigen Schule auf den Hinzutritt einer größeren Hahl zahlender Schüler rechnen, wodurch man alsdann die Mittel zur Aufnahme einer großeren Hahl armer Kinder zu gewinnen hoffte. So ging man denn ans Werk. Der Lehrer Levi entwarf einen Unterrichtsplan für eine zweiklaſſige Schule, Moſche revidierte ihn. Darauf fanden in Moſches Wohnung wiederholte Konferenzen ſtatt, in denen der Plan endgiltig feſtgeſtellt wurde.
Unverzüglich ſorgte man für geeignete Tehrkräfte. Auf Moſches Empfehlung wurde der ſchon erwähnte, am Philanthropin beſchäftigte Lehrer Diehl als Oberlehrer angeſtellt, er ſollte deutſch Ceſen(in der Unterklaſſe), Moral, Geſchichte, Geographie, Naturgeſchichte, Singen zuſammen 22 Stunden wöchentlich) unter⸗ richten, die Aufſicht über die Schule und Schüler führen und in der Schule wohnen; Levi behielt den deutſchen und hebräiſchen Unterricht mit 20 Stunden. Duchatel Sranzöſiſch in beiden Klaſſen(9 Stunden); der Rechenunterricht(5 Stunden) wurde Slaſchin, der Seichenunterricht(4 Stunden) dem Maler Karl Böohmer, Schreiben(5 Stunden) Brettenheim, jüdiſche Kurrentſchrift(4 Stunden) Heugaß übertragen. Mit allen Lehrern wurden Kontrakte auf ein Jahr, mit Diehl auf 2 Jahre, alſo bis 31. Dezember 1807, gemacht. Der plan belaſtete die Kinder der unteren Stufe mit 45, die der oberen mit 49 wöchentlichen Stunden; man konnte ſich eben mit Lehren und Lernen nicht genug tun.
Sür eine zweiklaſſige Schule reichten die bisherigen Schulräume nicht aus, ein paſſendes Lokal war innerhalb des den Juden zugewieſenen Bezirks nicht zu finden, und man wandte ſich an den Senat mit der Bitte, in einem Hauſe der Schäfergaſſe geeignete Räume mieten zu dürfen. Der Senat ſchlug die Bitte ab, alles war in Srage geſtellt.
In dieſer ſot wandte man ſich an den Schoöffen von Gunderrode. Dieſer forderte Bericht ein, der von der„Direktion des Philanthropins“, den Doktoren Goldſchmidt und Oppenheim, unter Beifügung je eines Gutachtens von Moſche und Gruner, erſtattet wurde, und daraufhin erfolgte endlich am 10. Dezember 1805 unter verſchiedenen Verklauſulierungen die„einſtweilige“ Erteilung des wiederholt erbetenen Permiſſionsſcheins zur Ermietung des Schullokals in der Schäfergaſſe.
Am 2. Januar 1806 wurde die neue, zweiklaſſige Schule mit 16 Schülern eröffnet, 3 Wochen ſpäter, am 22. und 23. Januar, fand die vorſchriftsmäßige Jahresprüfung ſtatt. Durch den aus Anlaß der Mietung des Schullokals in der Schäfergaſſe erſtatteten Bericht hatte die ſtaatliche Behorde von dem Philan⸗ thropin amtlich Kenntnis genommen. Es erſchienen nunmehr bei der öffentlichen Prüfung auf ergangene Einladung der Schoöffe von Günderrode, der Senior Kufnagel, Dr. Prägel, Moſche, Gruner, mehrere Lehrer des Gymnaſiums, ferner eine Deputation der jüdiſchen Neuner(des Gemeinevorſtands), der wegen ſeiner auf Ab⸗ ſchaffung des Leibzolls gerichteten Beſtrebungen bekannte Hof⸗ und Kammeragent Breidenbach und der in jüdiſchen Kreiſen damals ſehr geſchätzte Dichter C. M. Büſchenthal.*) Der Saal war ſchon lange vor Beginn der auf 2 Uhr nachmittags an⸗
*) Geſtorben im Alter von 34 Jahren am 27. Dezember 1818 in Berlin. Sunz, Geſ. Schriften. Bd. II, S. 143.


