Gründung des Philanthropins. 13
noch ſo beſtimmt und ſo gern erinnere. Die Prüfung betraf außer dem Schreiben und Rechnen beſonders die hebräiſche und deutſche Sprache, und ich fand, daß jene Sprache hier auf eine ſolche Weiſe gelehrt und gelernt wurde, wie es für die Entwickelung und Ubung der Geiſteskräfte der Lernenden ſehr bedeutende und wohltätige Solgen haben mußte; in der deutſchen Sprache aber war der Unterricht ſo gründlich gegeben und gefaßt worden, wie man wünſchen möchte, daß es in vielen unſerer Schulen geſchehe.“
Gleich nach der Prüfung trat, gemäß der in dem„Proſpekt“ enthaltenen Anordnung, eine durch das Los aus den Subſſribenten beſtimmte Kommiſſion zur Reviſion der Jahresrechnung und Prüfung der Bilanz zuſammen. Nachdem alles für richtig befunden, fand eine Neuwahl der Vorſteher ſtatt; die bisherigen wurden wiedergewählt. Auf Wunſch der Vorſteher wurden drei wiſſenſchaftlich gebildete Mäanner, nämlich die Doktoren Goldſchmidt und GOppenheim und der Mathematiker S. Slaſchin gewählt, denen unter dem Namen„Direktoren“ die Sürſorge für den Unterricht, insbeſondere die Auswahl der Lehrer obliegen ſollte. In Wirklichkeit blieb dieſes alles aber, da die gelehrten Herren ander⸗ weitig zu ſehr beſchäftigt waren, den Vorſtehern überlaſſen. Dieſe waren unermüdlich. Sie faßten die Bedurfniſſe jedes einzelnen Höglings ins Auge: einem beſonders begabten Sögling(Lehmann Nathan Sulda) ließen ſie lateiniſchen Privatunterricht geben, für die anderen fortgeſchrittenen Schüler wurde ein franzoſiſcher Sprachmeiſter, Duchatel, und ein Lehrer der Geſchichte, Diehl, angeſtellt. Alle Zöglinge, auch die zahlenden, wurden gleichmäßig gekleidet.
Von beſonderer Wichtigkeit war, daß Geiſenheimer das Intereſſe der hieſigen Schulmänner für das Philanthropin zu gewinnen und zu erhalten bemüht war. Magiſter Klitſcher war Ende 1804 aus ſeinem Amte an der Muſterſchule ge⸗ ſchieden, er hatte Srankfurt nicht verlaſſen, ohne dem Philanthropin ein kleines Geſchenk(eine Reißfeder) zu übergeben. Sein Amtsnachfolger Dr. Gruner (geboren 1778, geſtorben 1844) widmete der Anſtalt die gleiche Teilnahme, er erſchien im Laufe des Sommers und des Herbſtes 1805 wiederholt im Philan⸗ thropin, um dem Unterricht beizuwohnen und die Schüler zu prüfen; und wie er, ſo erklärte auch Moſche ſich bereit, den Vorſtehern mit ſeinem pädagogiſchen Rate beizuſtehn. Das war gerade in dieſem Entwickelungsſtadium des philan⸗ thropins von großer Bedeutung; denn die Hahl der Zöglinge verdoppelte ſich im Laufe des Jahres 1805, man hatte Ende 1805 16 Knaben im Alter zwiſchen 7 und 13 Jahren. Dieſe konnten nicht mehr in einer Klaſſe vereinigt bleiben. Indem man nun gezwungen war, mindeſtens 2, verſchiedene Unterrichtsſtufen darſtellende Klaſſen einzurichten, drängte ſich die ſlotwendigkeit auf, eine Einheitlichkeit im Unterricht und der Erziehung dadurch zu ſchaffen, daß die Zöglinge nicht ferner genoötigt ſein durften, einen Teil des Unterrichts im Philanthropin, den andern aber in der Muſterſchule zu erhalten: das Philanthropin mußte ihre alleinige Schule werden, dort mußte für allen erforderlichen Unterricht geſorgt werden.— Auch praktiſche Erwägungen drangten zu einem ſolchen Unternehmen. Man durfte nach der Vervollſtändigung des Philanthropins zu einer ſelbſtändigen,


